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Basel City Golf: Urbanes Golfen im Freibad

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07. Jan 2015
Der Kinderpool ist bei Basel City Golf ein ernsthaftes Wasserhinderniss. (Foto: Golf Post)
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Keine Platzreife, kein Handicap – auf dem Basel City Golfplatz ist jeder willkommen. Gespielt wird im Freibad.

Es ist eigentlich ein Freibad – und trotzdem kann man dort Golf spielen. Die Löcher schlängeln sich um Wasserrutschen und durch Duschen, über Liegewiesen und Pools. Zumeist wird diese Implementierung des Golfsports in Alltag und urbanen Raum unter dem Begriff Crossgolf geführt.  Nun! – Basel  City Golf hat dieses Konzept professionalisiert, mit einem Golfplatz in einem öffentlichen Freibad.

Politik sei Dank

Wo in Deutschland die Politiker die Berührungspunkte mit dem Golfsport meiden wie der Golfer das Wasserhindernis – erinnert sei an die Performance rund um die Ryder Cup Bewerbung – ist der Basel City Golfplatz aus einer politischen Initiative erwachsen. Der ehemalige Sportsamtsvorsitzende des Basler Stadtparlaments Andrea Müller begründete 2002 mit seiner Initiative das heutige Golfareal.


Ganzjährige Nutzung spielt Franken ins Säckli

Vordergründig sei es ihn um die Jugendförderung und die Förderung des städtischen Kerngebietes von Basel gegangen. Da die Golfplätze in der Umgebung für die Kinder und Jugendlichen nur unter Anstrengung zu erreichen waren, sollte der Platz durch die Fußläufigkeit und Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel den schönsten Sport der Welt auf eine breitere Basis stellen. Hinzu kommt, dass dieses Schwimmbad jedes zweite halbe Jahr während des Winters zur lebendigen Ruine verkommt, die darauf wartet, erneut zum Leben erweckt zu werden. Die nun ganzjährige Nutzung spülte dann auch zusätzliche Franken ins  „Stadtsäckli“ und die Greenkeeper sind bis heute von der Stadt angestellt und mutieren im Sommer einfach zu Bademeistern (die Grüns haben nicht die Qualität eines herkömmlichen Platzes. Mähen, sauberhalten – vielmehr ist es nicht).


Basel City Golf - Golfen im Freibad

Von Mai bis September ein Golfplatz

Aus dem ehemaligen Stadtentwicklungsprojekt ist nun ein prosperierender Golfclub und eingetragener Verein geworden, der 105 Mitglieder zählt. Von September bis Mai gehört das Bad am Bachgraben den Golfern. Gäste, die jederzeit, ausnahmslos und ohne Vorbehalte willkommen sind, können sich auf die urige Schweizer Gemütlichkeit verlassen. „Du“ ist das Motto, nicht „Sie“. Auf der Clubhausterrasse, mit Blick über den Platz, bekommt der erschöpfte Golfer typisch schweizerische Speisen vorgesetzt und die beiden Clubhausdamen Elli und Siggi sind immer für einen angenehmen Plausch zu haben. Der Preis für den halben Tag ist mit 30 Franken auch absolut im Rahmen. Die Mitglieder sind offen und herzlich und sich der einmaligen Anlage bewusst.

Rund 2000 Bälle im Pool

Die unerhörte Lässigkeit, einen Golfplatz in einem Schwimmbad anzulegen, erzeugt bereits vor dem ersten Abschlag eine ungeahnte Spielfreude. Die ersten neun Löcher schlängeln und schnörkeln sich nun um insgesamt vier Pools, viele Bäume und Tischtennisplatten. Aus den Becken werden pro Saison rund 2000 Bälle  gefischt. Trotz den begrenzten Raumes bietet der Platz mehr als nur eine aufgehübschte Pitch&Putt-Anlage. Die Abschläge sind in den Boden eigelassene Matten, sodass man bei Wind und Wetter vernünftig abschlagen kann.

Überhängende Bäume und blinde Schläge

Drei Löcher gibt es in einer Plus-Version, das heißt gespielt wird von einem Abschlag mit gesteigerter Schwierigkeitsstufe. Das längste Loch überbrückt dann stattliche 181 Meter, sodass man getrost auch mal die Keule schwingen kann.

Mit 55 Metern ist die Zwei eines der kürzesten Löcher, gehört aber zu den spektakulärsten. Das Grün liegt direkt hinter der Ecke eines Pools und ist gerade 2,5 x 2,5 Meter im Durchmesser. Der Landepunkt ist gerade ein Badetuch breit. Diese Form des Kurzspieltrainings findet sich überall auf der Anlage und motiviert. Auf „herkömmlichen“  Plätzen wird man keine Schläge mehr fürchten. Seve Ballesteros hätte seine helle Freude an diesem Platz gehabt.

Kreativität, Fantasie, Selbstbewusstsein und Spielfreude sind der Schlüssel zu dieser Anlage. Überhängende Bäume und blinde Schläge stellen die permanente Herausforderung dar. Die zweiten sechs Löcher sind dann etwas weitläufiger und einfacher zu spielen. Sie sind auf dem Areal eines Fußballvereins angelegt. Das Eisen 7 ist hier schon Pflicht. Diese Lochfolge steht den Golfern auch im Sommer zur Verfügung, für den schnellen „Golfsnack“ zwischendurch.

Urbanes Golf auf neuem Niveau

Erwartungsfreudig stehe ich nun am ersten Abschlag. Meine Wahl fällt auf mein Eisen 9 für hundert Meter. Zwischen mir und dem Grün liegt der Beachvolleyballplatz, der nun einen Bunker in Dünendimension mimt. Zwei „waggles“ und los. Der Ball landet, liegt – Tap-in, Birdie! Derart aufgeputscht spielen wir unseren Weg über den 15-Loch/Par-45-Schwimmplatz und saugen das erstaunliche Golferlebnis auf. Urbanes Golf auf neuem Niveau!

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer!

Anmerkung: Unser Autor war in der Schweiz. Wer jedoch nicht bis in die Schweiz fahren möchte, findet ein ähnliches Konzept auch in Krefeld beim Golfclub Bockum: Ebenfalls ohne Platzreife nach dem Pay&Play-Prinzip. Viel Spaß und schönes Spiel!

Janek Weiss

Janek Weiss - Freier Autor für Golf Post

Janek Weiß ist studierter Historiker und Journalist. Seine Liebe gilt der kleinen weißen Kugel. Als autodidaktischer „Golfoholic“ ein Verfechter des Bubba-Style und selten ohne Schläger anzutreffen.

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5 LESER-KOMMENTARE

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  1. Doch verwunderlich wie eine ironische Einlassung, so eine Ernsthaftigkeit beigemessen wird. Krefeld ist bekannt und es geht doch wohl nicht um die engstirnige Feststellung ob nun Basel oder Krefeld zuerst eine grandiose Idee umgesetzt hat!

    Im übrigen spielt man in Basel seit 2002. Nur für die Statistik!

    Bestens

    Rene

    Antworten

    • genau richtig… und die die am Anfang hier gelernt haben spielen heute mit einem
      einstelligen Handicap… wer fragt da noch nach einem Anfang… ausserdem so schön
      und schwierig wie der Platz ist muss man lange suchen… und einer der meinte er spiele super Golf sah nach einer halben Stunde ganz schön alt aus… „s isch garned so oifach…“ was ich als Kompliment aufgefasst habe…
      Gruss Didi

      Antworten

  2. Vielleicht haben die es auch einfach nur von den Crossgolfern abgeschaut 😉 Die machen so was schon sehr lange, nur eben nicht als festen Platz für jeden Tag.

    Gruß rebel

    Antworten

  3. Ich weiss nicht, ob es die Schweizer erfunden haben, aber vom Grundsatz ist das doch eine ganz ordentliche Sache. Die öffenlichen Freibäder liegen nicht brach, sondern werden im Herbst, Winter und Frühjahr auch sinnvoll genutzt – eben durch Golfer. Für Anfänger bestimmt eine gute Sache und das kurze Spiel leidet darunter wohl auch nicht.
    Übrigens gibt es auch in Deutschland solche Anlagen, zumindest ist mir eine in Krefeld bekannt: http://www.golfclub-bockum.de

    Antworten

  4. Wer hat´s erfunden? Bestimmt NICHT die Schweizer!

    Dieses Konzept gibt es schon viele, viele Jahre erfolgreich in Krefeld.

    http://www.golfclub-bockum.de

    Mit freundlichen Grüßen

    THILO HESZ

    Antworten

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