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Ex-Tennisprofi Paradorn Srichaphan will im Golf durchstarten

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28. Mai 2016
Thailands Paradorn Srichaphan trägt die Flagge seines Heimatlandes nicht nur bei den olympischen Spielen. (Foto: Getty)
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Ein Tennisstar auf dem Weg zum Golfprofi – Paradorn Srichaphan lässt sich nicht aufhalten. Doch sein Plan ist ins Stocken geraten.

Wirft man die Frage auf, welche Sportart am ehesten mit dem Golfsport verwandt sei, dürfte die meistgenannte Antwort darauf wohl „Tennis“ lauten. Es erstaunt folglich kaum, dass viele Amateurgolfer bereits Tennis spielten, bevor sie zum Golf kamen. Dieses Phänomen ist inzwischen auch im Bereich des professionellen Golfsports keine Seltenheit mehr.

Nachdem der australische Tennisprofi Scott Draper den Anfang machte und Jewgeni Kafelnikow, vom Traum einer Olympia-Teilnahme im Golf getrieben, nachzog, versucht seit 2013 auch der Thailänder Paradorn Srichaphan sich in der Golfszene einen Namen zu machen. Bis jetzt verlief sein Vorhaben noch ähnlich erfolglos wie bei Kafelnikow. Seine Teilnahme bei der Final Stage der Asian Tour Qualifying School im Januar 2016 verschaffte dem 36-Jährigen die Chance, die letzten Jahre vergessen zu machen und richtig durchzustarten.

Erster Asiate in der Tennis-Weltspitze

Srichaphan nach seinem Sensationssieg über Andre Agassi. (Foto: Getty)

Srichaphan nach seinem Sensationssieg über Andre Agassi. (Foto: Getty)

Paradorn Srichaphan begann seine professionelle Tenniskarriere im Jahr 1998. Nachdem es ihm in der Anfangszeit gelang, sich Schritt für Schritt in der Tenniswelt zu etablieren, ging sein Stern erstmals so richtig bei seinem Überraschungssieg über Andre Agassi 2002 in Wimbledon auf. Nur ein Jahr später kletterte Srichaphan auf Platz neun in der Weltrangliste und war somit der erste Asiate, der sich im Tennis unter die besten Zehn der Welt spielen konnte. Insgesamt fuhr Srichaphan fünf Einzelsiege auf der ATP Tour ein. Zudem durfte er als Fahnenträger der thailändischen Olympia-Mannschaft 2004 in Athen einlaufen.

Sein Höhenflug wurde 2007 jedoch durch eine hartnäckige Sehnenscheidenentzündung gestoppt. So richtig kam Srichaphan danach nie wieder auf die Beine. Im September 2009 feierte er sein Comeback. Nach einem Motorradunfall, bei dem er sich Knochenbrüche an beiden Händen zuzog, wurde der Tennisschläger im Juni 2010 aber endgültig an den Nagel gehangen. Seitdem verfolgte der bekennende Buddhist hartnäckig ein neues Ziel. Srichaphan wollte sich als Golfprofi etablieren: „Mein Ziel ist es, als erster asiatischer Athlet aus einer anderen Sportart zum professionellen Golf zu wechseln“.

Holpriger Start auf dem Weg zum Golfprofessional

Paradorn Srichaphan beim täglichen Training. (Foto: Instagram: paradorn_srichaphan)

Paradorn Srichaphan beim täglichen Training. (Foto: Instagram: paradorn_srichaphan)

Seine Absichten hat der Thailänder, der noch immer den Amateurstatus inne hat, somit klar formuliert. Es bleibt die Frage, ob Srichaphan die Klasse für eine Karriere im Profigolf mitbringt. Im Februar 2013, nicht einmal zwei Jahre nachdem er zum ersten Mal einen Golfschläger in die Hand nahm, debütierte der 36-Jährige auf der drittklassigen Asean PGA Tour. Mit 18 Schlägen über Par landete er dabei auf dem drittletzten Platz.

Seitdem folgten während der letzten drei Jahre immer wieder Einladungen – sowohl für die Asean PGA Tour, wie auch für die Asian Development Tour, die man mit der hiesigen Challenge Tour vergleichen kann. Ein Cut gelang Srichaphan dabei noch nicht. Zumeist fand er sich sogar ganz in den tieferen Gefilden der Ergebnislisten wieder. So verwundert es nicht, dass Srichaphan aktuell in der offiziellen Golfweltrangliste noch ohne einen jeden Punkt auf dem geteilten 1788. Platz liegt (Stand 28. Mai 2016).

Von diesen Rückschlägen ließ sich die Kämpfernatur indes nicht aufhalten und blieb am Ball. Mehrere Stunden trainiert er täglich. Eine neue Chance, seine Golfkarriere in Gang zu bringen, sollte die Qualifying School der Asia Tour bringen. Beim Ausblick darauf gab sich Srichaphan optimistisch: „Ich denke, mich bei der Qualifying School zu beweisen, wird ein großer Schritt vorwärts für mich, wenn ich Profi werden will. Jeder Golfer liebt dieses Spiel. Das gilt auch für mich. Ich habe in den letzten vier bis fünf Jahren eine Menge Zeit und Arbeit in mein Golfspiel gesteckt“.

Einladung zur Final Stage der Asian Tour Qualifying School

Auch wenn bemerkenswerte Resultate in Form von geschafften Cuts oder gar Top-Resultaten bisher ausblieben, der Name Srichaphan zieht noch immer im asiatischen Raum. Aus diesem Grund entschloss sich wohl das Qualifikations-Komittee der Asian Tour ihm durch eine Einladung zur Final Stage der Qualifying School die Möglichkeit zu verschaffen, sich ohne Umwege auf die Asian Tour zu spielen.

Bei diesem Vorhaben musste sich der Thailänder allerdings gegen eine Vielzahl von Konkurrenten beweisen. Insgesamt 242 Spieler kämpften über vier Runden darum, unter die besten 40 zu gelangen. Auf diejenigen, denen dies gelingen sollte, wartete im Anschluss die volle Spielberechtigung für die Asian Tour 2016.

Eine gute Runde war zu wenig

Der Start Srichaphans indes verlief verheißungsvoller als so manch ein Experte im Vorfeld für möglich gehalten hätte. In der ersten Runde brachte er auf dem Imperial Lakeview GC in Hua Hin eine 72er Runde ins Clubhaus. Der Newcomer lag mit einem Schlag über Par auf dem geteilten 105. Platz und hatte an Tag zwei noch alle Möglichkeiten, zumindest den Cut der besten 100 Spieler zu schaffen. Eine 81er Runde am zweiten Turniertag ließ dann aber den Traum vom schnellen Aufstieg platzen.

Aufgegeben hat Srichaphan aber noch lange nicht. Auf der All Thailand Golf Tour, einer nationalen Tour, auf der sich auch schon Thongchai Jaidee oder Kiradech Apibarnrat ihre ersten Sporen verdienten, versucht er nun, seinen Traum wahr zu machen – bislang noch immer erfolglos. Bei drei Starts verpasste er dreimal den Cut.

Während der French Open 2016 war er dennoch wieder ein gefragter Mann. Nur alt zu gern gab Srichaphan am Rande der Tennisübertragungen auch Auskunft über sein Golfspiel. Vergleiche der beiden Sportarten lagen natürlich nahe, und so wollte Fox Sports Asia von ihm wissen, welcher Sport denn der schwierigere sei. „Sie sind beide auf ihre Weise schwierig“, versuchte sich der Thailänder um die Frage zu winden. Doch der Interviewer bestand auf einer Entscheidung. „Für mich ist Golf schwieriger“, gab Srichaphan daraufhin zu, „denn im Tennis war ich gut.“

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Yannick Beyss

Yannick Beyss - Autor bei Golf Post

Den ballsportverrückten Yannick hat schon früh die Liebe zur kleinen weißen Kugel gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Inzwischen hat der Longhitter mit dem Hang zum Risiko das einstellige Handicap auf Grund seines langen Spiels geknackt. Rund ums Grün wechseln sich  aber in gewisser Regelmässigkeit Weltklasse und Kreisklasse ab.

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