Aktuell. Unabhängig. Nah.

Ex-Tennisprofi Srichaphan will im Golf durchstarten

Autor:

13. Jan 2016
Thailands Paradorn Srichaphan trägt die Flagge seines Heimatlandes nicht nur bei den olympischen Spielen. (Foto: Getty)
Artikel teilen:

Ein Tennisstar auf dem Weg zum Golfprofi – Paradorn Srichaphan lässt sich nicht aufhalten. Nun will er sich auf die Asian Tour spielen. 

Wirft man die Frage auf, welche Sportart am ehesten mit dem Golfsport verwandt sei, dürfte die meistgenannte Antwort darauf wohl „Tennis“ lauten. Es erstaunt folglich kaum, dass viele Amateurgolfer bereits Tennis spielten, bevor sie zum Golf kamen. Dieses Phänomen ist inzwischen auch im Bereich des professionellen Golfsports keine Seltenheit mehr.

Nachdem der australische Tennisprofi Scott Draper den Anfang machte und Jewgeni Kafelnikow, vom Traum einer Olympia-Teilnahme im Golf getrieben, nachzog, versuchte seit 2013 auch der Thailänder Paradorn Srichaphan sich in der Golfszene einen Namen zu machen. Bis jetzt verlief sein Vorhaben noch ähnlich erfolglos wie bei Kafelnikow. Seine Teilnahme bei der Final Stage der Asian Tour Qualifying School (13.-16.1) verschafft dem 36-Jährigen jedoch nun die Chance, die letzten Jahre vergessen zu machen und richtig durchzustarten.

Erster Asiate in der Tennis-Weltspitze

Srichaphan nach seinem Sensationssieg über Andre Agassi. (Foto: Getty)

Srichaphan nach seinem Sensationssieg über Andre Agassi. (Foto: Getty)

Paradorn Srichaphan begann seine professionelle Tenniskarriere im Jahr 1998. Nachdem es ihm in der Anfangszeit gelang, sich Schritt für Schritt in der Tenniswelt zu etablieren, ging sein Stern erstmals so richtig bei seinem Überraschungssieg über Andre Agassi 2002 in Wimbledon auf. Nur ein Jahr später kletterte Srichaphan auf Platz neun in der Weltrangliste und war somit der erste Asiate, der sich im Tennis unter die besten Zehn der Welt spielen konnte. Insgesamt fuhr Srichaphan fünf Einzelsiege auf der ATP Tour ein. Zudem durfte er als Fahnenträger der thailändischen Olympia-Mannschaft 2004 in Athen einlaufen.

Sein Höhenflug wurde 2007 jedoch durch eine hartnäckige Sehnenscheidenentzündung gestoppt. So richtig kam Srichaphan danach nie wieder auf die Beine. Im September 2009 feierte er sein Comeback. Nach einem Motorradunfall, bei dem er sich Knochenbrüche an beiden Händen zuzog, wurde der Tennisschläger im Juni 2010 aber endgültig an den Nagel gehangen. Seitdem verfolgte der bekennende Buddhist hartnäckig ein neues Ziel. Srichaphan wollte sich als Golfprofi etablieren: „Mein Ziel ist es, als erster asiatischer Athlet aus einer anderen Sportart zum professionellen Golf zu wechseln“.

Holpriger Start auf dem Weg zum Golfprofessional

Paradorn Srichaphan beim täglichen Training. (Foto: Instagram: paradorn_srichaphan)

Paradorn Srichaphan beim täglichen Training. (Foto: Instagram: paradorn_srichaphan)

Seine Absichten hat der Thailänder, der momentan noch den Amateurstatus inne hat, somit klar formuliert. Es bleibt die Frage, ob Srichaphan die Klasse für eine Karriere im Profigolf mitbringt. Im Februar 2013, nicht einmal zwei Jahre nachdem er zum ersten Mal einen Golfschläger in die Hand nahm, debütierte der 36-Jährige auf der drittklassigen Asean PGA Tour. Mit 18 Schlägen über Par landete er dabei auf dem drittletzten Platz.

Seitdem folgten während der letzten drei Jahre immer wieder Einladungen – sowohl für die Asean PGA Tour, wie auch für die Asian Development Tour, die man mit der hiesigen Challenge Tour vergleichen kann. Ein Cut gelang Srichaphan dabei noch nicht. Zumeist fand er sich sogar ganz in den tieferen Gefilden der Ergebnislisten wieder. So verwundert es nicht, dass Srichaphan aktuell in der offiziellen Golfweltrangliste noch ohne einen jeden Punkt auf dem geteilten 1711. Platz liegt.

Von diesen Rückschlägen ließ sich die Kämpfernatur indes nicht unterwerfen und blieb am Ball. Mehrere Stunden trainierte er täglich. Eine neue Chance, seine Golfkarriere in Gang zu bringen, soll nun die Qualifying School bringen. Beim Ausblick darauf gab sich Srichaphan optimistisch: „Ich denke, mich bei der Qualifying School zu beweisen, wird ein großer Schritt vorwärts für mich, wenn ich Profi werden will. Jeder Golfer liebt dieses Spiel. Das gilt auch für mich. Ich habe in den letzten vier bis fünf Jahren eine Menge Zeit und Arbeit in mein Golfspiel gesteckt“.

Einladung zur Final Stage der Asian Tour Qualifying School

Auch wenn bemerkenswerte Resultate in Form von geschafften Cuts oder gar Top-Resultaten bisher ausblieben, der Name Srichaphan zieht noch immer im asiatischen Raum. Aus diesem Grund entschloss sich wohl das Qualifikations-Komittee der Asian Tour ihm durch eine Einladung zur Final Stage der Qualifying School die Möglichkeit zu verschaffen, sich ohne Umwege auf die Asian Tour zu spielen.

Bei diesem Vorhaben muss sich der Thailänder allerdings gegen eine Vielzahl von Konkurrenten beweisen. Insgesamt 242 Spieler kämpfen über vier Runden darum, unter die besten 40 zu gelangen. Auf diejenigen, denen dies gelingen sollte, wartet im Anschluss die volle Spielberechtigung für die Asian Tour 2016.

Der Start Srichaphans indes verlief verheißungsvoller als so manch ein Experte im Vorfeld für möglich gehalten hätte. In der ersten Runde brachte er auf dem Imperial Lakeview GC in Hua Hin eine 72er Runde ins Clubhaus. Somit liegt der Newcomer mit einem Schlag über Par aktuell auf dem geteilten 105. Platz und besitzt an Tag zwei noch alle Möglichkeiten, zumindest den Cut der besten 100 Spieler zu schaffen.

Zwei deutsche Starter im Feld der Qualifying School

Neben Srichaphan nehmen auch zwei deutsche Spieler an der Final Stage der Asian Tour teil. Sowohl Julian Kunzenbacher als auch Sebastian Heisele gelang es, sich Anfang Januar durch die First Stage zu kämpfen. Scheinbar haben beide ihre gute Form bis in diese Woche konservieren können. Nach der Auftaktrunde liegt der 23-jährige Bielefelder Kunzenbacher dank einer 66er Runde auf dem geteilten vierten Platz. Der gebürtige Niederländer Heisele folgt zwei Schläge dahinter auf Rang 18.

Tags: , , ,

Diese Seite teilen

Mehr zum Thema Extra:

Yannick Beyss

Yannick Beyss - Autor bei Golf Post

Den ballsportverrückten Yannick hat schon früh die Liebe zur kleinen weißen Kugel gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Inzwischen hat der Longhitter mit dem Hang zum Risiko das einstellige Handicap auf Grund seines langen Spiels geknackt. Rund ums Grün wechseln sich  aber in gewisser Regelmässigkeit Weltklasse und Kreisklasse ab.

Alle Artikel von Yannick Beyss

Noch keine Kommentare

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab