Aktuell. Unabhängig. Nah.
Adventskalender 2016 Türchen 9: Drei Schlägerhauben-Sets für drei Gewinner - 100% handmade, 100% individuell, stylisch und funktional! Mehr Informationen

Aserbaidschan – Parvenü am Kaukasus

04. Aug 2014
Das 10. Loch auf dem Aserbaidschan National Golf Course in Quba, Aserbaidschan. (Foto: Kevin Muray / GC Quba)
Artikel teilen:

Moritz Lampert hat gerade auf dem ersten Golfplatz des Landes gewonnen. Aserbaidschan als Golfdestination? Golf Post war vor Ort.

Was sagt Ihnen Baku? Vielleicht Eurovision Song Contest und vielleicht Kaspisches Meer. Dieses Land im südlichen Kaukasus zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer mit gerade einmal neun Millionen Einwohnern, von denen mehr als 2,3 Millionen in der Hauptstadt Baku wohnen, ist mit Fug und Recht noch nicht auf der golferischen Landkarte aufgetaucht.

Erster Golfplatz in Aserbaidschan

Wird es aber vielleicht bald, zumindest, wenn es nach den ehrgeizigen Plänen von Sportminister Azad Rahimov und Golf-Verbandspräsident Annar Mammedov geht. Der erste Golfplatz des Landes, der Aserbaidschan National Golf Course in Quba, ist fertig und das 5-Sterne-Hotel, das auf dem benachbarten Hügel steht, wurde vor einigen Monaten eröffnet.


Der Platz und das gesamte Gelände gehören dem Golfclub und Verbandspräsidenten – und der hat einiges vor. Von Schulsport-Programmen angefangen, über die Gründung eines Leistungszentrums für kommende Profispieler und großen Turnieren reicht die Palette der Ideen. Der Sportminister ist sich sicher: „In nicht allzu ferner Zeit werden in Aserbaidschan internationale Turniere stattfinden.“

Leistungsorientierung beim Aserbaidschan National Golf Course

Das Zeug dazu hat der „National Golf Course“, auf dem Moritz Lampert am Wochenende die Azerbaijan Golf Challenge Open gewonnen hat: Stark kupierte Spielbahnen, erhöhte, gut verteidigte Grüns und trickreiche Doglegs sind Standard. Die 18 ist eines der anspruchsvollsten Löcher mit einem Wasserfall und Bach kurz vor dem erhöhten Grün. Fazit: Sicherlich kein Resortkurs mit Kuschelfaktor, sondern ein 18-Loch-Platz mit Anspruch.

Emotional und geografisch sieht sich das Land zu Europa gehörig. Seit 21 Jahren von der nicht mehr existierenden Sowjetunion unabhängig, verfügt Aserbaidschan über Gas- und Erdölvorräte, verkauft beide Energieträger nach Europa. Die Erlöse daraus werden selbstbewußt in ehrgeizige Bauten, wie die Flame-Towers von Baku, das neue Markenzeichen der Stadt, oder in den bald höchsten Turm der Erde, den 1.050 Meter hohen Khazar-Tower, investiert. Die wenigen Reichen, im neuen Teil der Stadt leicht an großhubigen Gelände-Monstern oder Sportwägen zu erkennen, genießen den neuen Reichtum ungeniert. Überhaupt hat man den Eindruck, als würde Aserbaidschan Dubai zum Vorbild nehmen.

Land & Leute in Aserbaidschan

Nur wenige hundert Meter von den 5-Sterne-Hotels und Glaspalästen entfernt, sieht das Leben so aus, als hätte sich weder Stadt noch Land weit von der einstigen Sowjet-Republik entwickelt. Der Taza-Bazar, 15 Gehminuten vom noblen Boulevard am Kaspischen Meer entfernt, ist pures Landleben. Schweinefüße, Hammelköpfe, Teile eines riesigen Störs, Schafkäse im Fell verpackt, Gewürze, Gemüse, Obst – so weit das Auge reicht. Es ist nicht schmutzig, aber sehr, sehr einfach.

Auf dem Weg nach Norden, zum National Golf Course in Quba dann ein ganz anderes Bild. Das Leben spielt sich auf und neben der Straße ab. Selbst an der „Autobahn-Raststätte“, so würde sie zumindest in unserem Sprachgebrauch heißen, essen die Autofahrer vom offenen Holzkohlengrill, werden kleinere Reparaturen gleich an Ort und Stelle ausgeführt. Fischhändler allerdings trifft man direkt neben der Leitplanke an der Autobahn. Die Kunden halten ungeniert auf der Autobahn, wenn es sein muss auch in zweiter Reihe und kaufen frischen Fisch. Die Preise halb so teuer wie in Baku: 6 Manat (ca. 6 Euro) das Kilo. Auf der Landstraße dann auch landestypische „Metzgereien“. Bauern stehen an einem Metallgestell mit Haken, hängen ein getötetes Schaf an den Läufen auf und beginnen es zu zerteilen. Alles, was nicht sofort verkauft ist, wird in weiße Tücher eingeschlagen und hängt bis es einen Käufer findet am staubigen Straßenrand. Obst- und Gemüsestände daneben finden ebenfalls Interessenten, manchmal auf Kosten eines Staus.

Autofahren in Azerbaidschan ist ohnehin so eine Sache. Man überläßt die Teilnahme am Verkehr lieber Einheimischen, denn auf drei Fahrspuren passen locker sechs Autos nebeneinander und auf der Autobahn wird von rechts und von links überholt. Von 150 Stundenkilometern bis zum absoluten Stillstand sind es oft nur wenigen Sekunden. Grund: Fischverkäufer, Polizei auf der Fahrbahn oder ganz einfach nur wichtige Telefonate.


Wenn einer eine Reise tut: Golfen in Aserbaidschan

Interview mit Philip Henderson: Manager des National Golf Club Aserbaidschan

Golf Post: Was hat Sie als Schotte nach Aserbaidschan gelockt?

Philip Henderson: Ganz klar die unglaubliche Chance von Anfang an bei einer Entwicklung mit dabei zu sein. Das Land ist golferisch unbestellt, wir haben keinerlei Erfahrungen mit dem Klima und den Voraussetzungen. Dafür aber finden wir beste Bedingungen vor, was die Planung betraf und die Möglichkeiten mit dem Investoren, etwas Großes zu schaffen.

Golf Post: Warum bauen Sie den Golfplatz 170 Kilometer von der Hauptstadt entfernt?

Golfmanager Philip Henderson

Philip Henderson (Foto: Kevin Muray / GC Quba)

Philip Henderson: Nun, die Voraussetzungen in Quba sind optimal. Wir haben ein großes Gelände, abseits jeglichen Verkehrs, ein Klima, das speziell in den Sommermonaten die Urlauber aus dem heißen Baku in die kühlen Berge lockt und dennoch eine lange Saison verspricht.

Golf Post: Wie sehen die Winter in Quba aus?

Philip Henderson: Da müssen wir erst Erfahrungen sammeln. Wahrscheinlich wird es im Januar und Februar regnen. Wasser, das wir für die Fairways den Sommer über brauchen. Schnee hat es letzten Winter nicht nennenswert gegeben. Wenn es so bleibt, können wir den Winter über durchspielen. Wenn doch Schnee kommt, bauen wir vom Golfhotel eine Schnellstraße Richtung Berge und werden dann im Winter einen Shuttle zum neuen Skigebiet anbieten. In jedem Fall also eine Alternative für die Hotelgäste.

Golf Post: Zurück zum Golfplatz: Er ist recht steil und anstrengend. Braucht der Golfer vorab ein Konditionstraining?

Philip Henderson: Nein keineswegs, wir haben 40 Golfcarts und der gesamte Platz ist mit Cartwegen angelegt. Wenn es die Witterung zulässt, können die Carts natürlich auch auf den Fairways bewegt werden.

Golf Post: Wo waren Sie, bevor Sie nach Quba gekommen sind?

Philip Henderson: Ich hatte vorher die Freude in Dubai, Vilamoura, Kairo und in Costa Navarino zu arbeiten. Gerade bei letzterem konnte ich ein Resort mitgestalten, das zur Weltspitze zählt. Genau dort wollen wir auch in Aserbaidschan hin.

Das Interview führte Bernd Stegmaier.

Noch mehr Informationen zum Thema Golfreisen finden Sie in unserer Reisekategorie.

Mehr zum Thema Golfplätze:

Bernd Stegmaier

Bernd Stegmaier - Freier Autor für Golf Post

Der Publizist und Autor leidet als Linkshänder unter so manchem Dogleg nach rechts. Den ganzen Sommer über reist das Golfbag im Kofferraum mit. Sein Credo: Traue niemals einem Leihset, wenn Du Linkshänder bist. Seine Besonderheit: Geputtet wird rechts.

Alle Artikel von Bernd Stegmaier

Noch keine Kommentare

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab

Schlagwörter: , ,

Aktuelle News