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Als Annika gegen Sergio, Tiger und Phil antrat

20. Mai 2014
2003 war Annika Sörenstam im Fokus: Als erste Frau nahm sie an einem PGA-Turnier der Herren teil und alle fragten sich nur eines: Schafft sie den Cut? (Foto: Getty)
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Vor genau elf Jahren war Annika Sörenstam seit langer Zeit die erste Frau in einem Männerturnier. Der Aufschrei war groß.

Vor genau elf Jahren machte eine Frau in der Golfwelt Furore. Im Jahr 2003 nahm Annika Sörenstam als erste Frau seit 1945 an einem PGA-Turnier teil – der Herren wohlgemerkt. Der Sponsor des Turniers hatte die Schwedin zum Bank of America Colonial eingeladen – dem heutigen Crowne Plaza Invitational, das an diesem Wochenende in Texas ausgetragen wird. Der Stein war ins Rollen gekommen, als sich Sörenstam zuvor positiv über die Qualifikation von Suzy Whaley für ein PGA-Turnier geäußert hatte. Auf die Frage eines Journalisten, ob sie auch jemals die Qualifikation versuchen würde, antwortete sie: „Bei einer Einladung würde ich innerhalb eines Herzschlages zusagen.“

Heftige Kritik aus allen Richtungen

Einige Wochen Bedenkzeit nahm sie sich dann doch, dann sagte die Schwedin zu. Und schon ging ein Raunen durch Clubhäuser und Sportgazetten. Die Golfwelt teilte sich in Gegner und Befürworter der Teilnahme einer Frau an einem PGA-Turnier. Einer der heftigsten Gegner war Vijay Singh von den Fidschi-Inseln. Er sagte, Sörenstam gehöre nicht in die PGA und er hoffte, dass sie am Cut scheitern würde. Er kündigte an, nicht am Colonial teilzunehmen, sollte er in einem Flight mit der Schwedin spielen müssen. Obwohl sie nicht zusammengelost wurden, sagte Singh zum Schluss trotzdem ab.


Überraschenderweise kam auch aus den Reihen der LPGA Gegenwind für Sörenstams Vorhaben. Einige der Proetten und Funktionäre fürchteten negative Auswirkungen, sollte die damals 32-Jährige den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Andere Golfstars wie Phil Mickelson, Sergio Garcia oder Tiger Woods waren dagegen voll auf ihrer Seite. Sie sahen keinen Grund, warum die beste Golferin der Welt nicht auch bei den Männern mitspielen sollte.


Abschlag neben Sergio, Tiger & Co: Eine Frau auf der PGA Tour

Annika Sörenstam: die beste Golferin der Welt

Sörenstam hatte in der Saison 2002 13 Turniere gewonnen, vier davon waren Majors. In ihrer Karriere hatte sie bis dahin 43 LPGA-Titel gesammelt, bis zu ihrem Karriereende stieg die Zahl auf 72 Siege auf der US-Damentour. Sie beherrschte während ihrer aktiven Karriere das Damengolf. „Ich bin neugierig, ob ich bei einem PGA-Tour-Event mithalten kann“, begründete Sörenstam ihren Schritt.

Die Teilnahme am Bank of America Colonial hatte sie sich genau überlegt. Es war nicht die einzige Einladung zu einem Turnier, die sie erhalten hatte. Den Platz in Fort Worth, Texas kannte sie schon von der LPGA und rechnete sich dort gute Chancen aus. Der Par-70-Platz verlangt mit vielen Doglegs und nur zwei Par-5-Löchern weniger Kraft als Taktik und Akkuratesse.

Gescheitert am Cut und trotzdem Vorbild

Annika Sörenstam: Die damals beste Golferin der Welt ließ sich zu einer Teilnahme bei einem Männerturnier der PGA Tour hinreißen. (Foto: Getty)

Annika Sörenstam: Die damals beste Golferin der Welt ließ sich zu einer Teilnahme bei einem Männerturnier der PGA Tour hinreißen. (Foto: Getty)

Als Sörenstam dann im Mai 2003 auf dem Platz stand, war das Interesse riesig. 580 Medienvertreter hatten eine Akkreditierung bekommen, viermal mehr als im Vorjahr. Alle waren wegen der Frau auf den Golfplatz gekommen, viele Zuschauer folgten ihr über die Runde und feuerten sie an. Sörenstam stand unter enormen Druck. Trotzdem spielte sie weitgehend sicher, nur mit dem Putten haperte es ein wenig.

Am ersten Tag kehrte sie mit einer 71er Runde (+1) ins Clubhaus zurück. Am zweiten Tag war Sörenstam auf den ersten Neun noch über der Cut-Linie. Auf den letzten Löchern haperte es jedoch an der notwendigen Präzision; Sörenstam führte es auf ihre immense Nervosität zurück. Mit einer 74 verpasste die Golferin am Freitag den Cut um vier Schläge. Sie beendete das Turnier auf einem geteilten 96. Rang, noch vor heutigen Größen wie Geoff Ogilvy, der zwei Schläge mehr benötigte als die Schwedin.

„Annika in Colonial – einer der besten Momente unseres Sports“

Sörenstam hatte viel Unterstützung. Einige ihrer Kolleginnen fieberten derartig mit, dass ihr eigenes Turnier zur Nebensache wurde. „Die LPGA spielte an dem Wochenende die Corning Classic, als Annika in Colonial war“, erinnert sich Heather Daly-Donofrio, ehemalige LPGA-Tour-Spielerin und heute Vizepräsidentin der LPGA Tour Projektleitung. „Meine Tee Times waren genau entgegensetzt zu Annikas, also konnte ich ihr beim Spielen zusehen. Ich war so aufgeregt! Ich jubelte und zitterte mit jedem ihrer Schläge und verpasste an einem Tag fast meine eigene Tee Time, weil ich so fest am Fernseher klebte. Ich fand es eine so großartige Sache für den Frauensport, dass unsere Nummer Eins auf einer so enormen, weltweiten Bühne gezeigt wurde. Annika in Colonial – das wird immer als einer der besten Momente unseres Sports in Erinnerung bleiben.“

Sörenstam hingegen schaute zum zehnjährigen Jubiläum im letzten Jahr fast nüchtern auf ihre damalige Vorreiterrolle zurück: „Ich kann kaum glauben, dass es jetzt schon zehn Jahre her ist. Die Erinnerungen von dieser Woche werde ich immer wertschätzen, genauso wie die vielen Stunden Training auf dem Platz und im Kraftraum, die ihnen vorausgingen. Mit meinen Abschlägen war ich im Turnier zufrieden, ich wünschte nur, ich hätte ein paar mehr Putts gelocht. Ich war nervös und beim kurzen Spiel zeigt sich das am meisten.“

Sörenstam wurde danach eine mächtige Fürsprecherin der LPGA. Sie ebnete den Weg für andere Frauen an PGA-Turnieren teilzunehmen. Für viele Nachwuchssportler wurde sie zum Vorbild.

Annika Krempel

Annika Krempel - Freie Autorin für Golf Post

hat sich ganz frisch mit dem Golf-Fieber infiziert und als 14.093. Freundin "Gefällt mir" zu Golf Post gesagt. Um sich in der Redaktion den nötigen Respekt zu verschaffen, wird eifrig am Abschlag gefeilt. Sie finden mich auch unter Google+
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