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Am Anfang war die Wiese: Arbeit eines Golfplatz-Designers

27. Dez 2015
Ausnahmsweise mal zeitgleich anzutreffen. Denn normal heißt´s: Erst der Bagger, dann der Golfer. (Foto: Getty)
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Wie entsteht eigentlich ein Golfplatz und was muss beim Bau beachtet werden? Golfplatz-Designer Thomas Himmel gewährt Einblicke.

Am Anfang war die grüne Wiese. Dann kamen die Bagger. Und plötzlich gibt es da diesen riesigen Golfplatz. Mit Bunkern, Wasserhindernissen und anderen sportlichen Herausforderungen. Für Thomas Himmel ist das Arbeitsalltag. Der 51-Jährige hat zunächst Bauingenieurwesen studiert und sich schon damals eingehend mit dem Thema Ökologie am Bau befasst.

Heute ist er einer der angesagtesten Golfplatz-Designer Europas. Auf inzwischen schon 45 Plätzen ist seine Handschrift zu erkennen. Himmel profitiert bei seinen Projekten auch von seinem praktischen Wissen, denn als Amateur spielte er mit Handicap +2 und war sechs Jahre lang Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Golf-Post sprach mit ihm über die Entstehungsgeschichte eines Golfplatzes.


Golf Post: Beginnen wir ganz vorn vorne. Ein Investor hat eine große Wiese, die er gerne zu einem Golfplatz ausbauen würde. Was sind die ersten Schritte eines Golfplatz-Designers?

Thomas Himmel: Bei der ersten Geländebegehung hat man einen topografischen Grundplan und ein Luftbild dabei. So kann man sich gleich markante Stellen, Blickachsen, potenzielle Green- und Teepositionen markieren. Dabei werden etwa der Boden, die Vegetation und die Topographie in Augenschein genommen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welchen Charakter der Golfplatz am Ende erhalten kann. Dazu sind noch Aussagen vom Bauherrn wichtig. Zum Beispiel darüber, wo später das Clubhaus oder ein Hotel stehen sollen. Oder über die Wasserversorgung und das Betriebskonzept.

Golf Post: Nach welchen Kriterien wird daraufhin geplant: Sollte der Platz eher spektakulär oder eher schwierig sein? Oder am besten beides??

Thomas Himmel: Jeder Golfplatz sollte fair zu spielen sein und Freude vermitteln, auch wenn er anspruchsvolle Elemente hat. Allererste Zielgruppe ist für mich der Normalgolfer, Maßstab ist dabei ein Golfer mit Handicap 20 bis 22. Der muss immer eine spielbare Route finden können. Nimmt er mehr Risiko, muss er auch mit einer höheren Bestrafung rechnen. Gefährlich ist, wenn man sich verleitet fühlt, Golfplätze zu spektakulär oder zu anspruchsvoll zu gestalten, und dabei außer Augen lässt, dass es am Ende nur ein Platz ist, auf dem der Golfer angenehme Stunden verbringen will. Klar ist aber auch, dass spektakuläre Elemente nicht fehlen dürfen. Sie müssen nur spielbar integriert werden.

Golf Post: Also mal wieder wie so oft im Leben die gesunde Mischung als Königsweg?

Golfplatzingeneur Thomas Himmel ist auch in seiner Freizeit begeisterter Golfer. (Foto: Thomas Himmel)

Golfplatzingeneur Thomas Himmel ist auch in seiner Freizeit begeisterter Golfer. (Foto: Thomas Himmel)

Thomas Himmel: Genau. Ein normaler Clubplatz kann weniger spektakulär ausfallen als ein rein touristischer, auf dem es dem Golfer eher darum geht, ein außergewöhnliches Erlebnis zu haben und der Score vielleicht zweitrangig ist. Ich baue lieber mehr Finessen ein, die das Spiel strategischer, interessanter und nie langweilig machen.

Golf Post: Gibt es dabei schon bei der Planung die Vorgabe, wie viele Par 3, Par 4 und Par 5-Löcher die Anlage bekommen soll?

Thomas Himmel: Ich lasse mich ungern von solchen Vorgaben leiten. Wenn es gut möglich ist, ist ein Par 72 mit jeweils vier Par 3- und Par 5-Löchern das Ziel. Das ist aber kein Garant für den besten Golfplatz. Ich gehe in der Regel auf das Gelände ein und versuche, dieses optimal auszunutzen. Unter den besten zehn Kursen in den USA sind fünf Anlagen gar keine Par-72-Plätze. Es ist auch wichtig, nicht auf Kosten von ein oder zwei besonders spektakulären Löchern anderswo mittelmäßige Bahnen als Resultat zu erhalten. Ich versuche immer, 18 gute Spielbahnen zu planen, die immer wieder spieltechnische Höhepunkte sowie Verschnaufpausen bieten. Es kommt aber schon auf ein attraktives Start- und Schlussloch an.

Golf Post: Erkennt man denn schon beim ersten Blick auf einen Platz die Handschrift des jeweiligen Designers?

Thomas Himmel: Bei gewissen Designern erkennt man das in der Tat sehr schnell, ja. Zum Beispiel an Bunkerformen oder am Greendesign. Ich persönlich versuche, jedem Platz eine eigene Note zu geben, damit auch jeder Kunde etwas Eigenes bekommt. Das ist aber nicht immer leicht.

Golf Post: Die Anforderungen an einen Golfplatz haben sich mit den Jahren geändert. Heute gibt es beispielsweise die jungen, athletischen Longhitter. Wie wirkt sich das auf die Anforderungen an einen Designer aus?

Thomas Himmel: Das Spiel hat sich verändert, besonders für die jüngeren Topgolfer. Die sind meistens athletisch und konnten die technologische Entwicklung am besten ausnutzen. Eine normale Anlage kann oft von der Grundlänge nicht immer für solche Golfer geplant werden. Aber in Sachen Hindernisse muss man sie etwas ausbremsen. Für diese Handvoll Spieler einen Platz zu planen, ist nicht schwer. Alle Spielklassen unter eine Hut zu bringen, das ist der Anspruch an den Planer.

Golf Post: Wie viel ist auf einem solchen Platz noch natürlich, wie viel künstlich angelegt?

Thomas Himmel: Das kommt darauf an, was der Designer von der Natur nutzt. Ganz ohne Eingriff geht ein Golfplatz nicht. Nur sollten die geschickt integriert werden, besonders, wenn es sich um ein naturnahes und schönes Gelände handelt. Ein plattes Gelände verlangt aber oft nach etwas Künstlichem, um es für den Golfer attraktiv zu machen.

Golf Post: Welcher Schritt beim Platzbau ist am kostenintensivsten? Die Planung? Die Erdbewegungen? Der Bau der Grüns?

Thomas Himmel: Die Planung stellt sicherlich nicht den Löwenanteil dar. Die Kosten verteilen sich je nach Projekt unterschiedlich. Bewege ich sehr viel Erde oder baue ich viele große Teiche mit Kunststofffolien, dann fließt dort sicherlich das meiste Geld. Bei einem mitteleuropäischen Durchschnittsplatz fallen gut 30 bis 50 Prozent der Kosten auf die Greens.

Golf Post: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Gibt es einen Platz, bei dem Sie sagen: Der ist mir wirklich sensationell gut gelungen?

Thomas Himmel:: Ja, die gibt es: Das ist zum einen Son Gual auf Mallorca und das Redesign des Golfclubs Olching bei München.

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Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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