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Anchored Putting – Eine Ära geht zu Ende

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26. Dez 2015
Adam Scott bejubelt seinen US Masters-Sieg 2013. Mit dabei: Der Broomstick-Putter. (Foto: Getty)
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Von Bernhard Langer bis zu Adam Scott. Der lange Putter prägte durch die Anchoring-Technik eine Ära. Ein Rückblick auf die Highlights.

Das Golfjahr 2015 neigt sich dem Ende entgegen und mit ihm wohl auch die Zeit der langen Putter. Ab dem 1. Januar 2016 tritt nach einer endlos scheinenden Diskussion nun tatsächlich der Anchoring Bann in Kraft. Viele Tour Professionals, die jahrelang erfolgreich die Anchoring-Technik anwendeten, müssen sich neu orientieren. Matt Kuchar hat es bereits vorgemacht, Bernhard Langer muss nachziehen.

Kampf gegen Yips: Bernhard Langer greift zum langen Putter

Nachdem Rocco Mediate mit seinem Sieg bei der Doral Open im Jahr 1991 der erste Spieler wurde, der ein PGA Tour-Turnier mit Hilfe der Anchoring-Technik gewinnt, entschied sich 1997 auch Deutschlands Golflegende Bernhard Langer dazu seine Putting-Methode völlig neu zu gestalten. Der Grund dafür? Die Golferkrankheit Yips. Immer wieder plötzlich auftauchende Muskelzuckungen beim Schwung mit dem kurzen Putter veranlassten Langer dazu, zu einem Modell der langen Sorte zu greifen und die Anchoring-Technik anzuwenden.


Das Ergebnis: Sieben Siege auf der European Tour, fünf Major-Triumphe auf der US Seniors Tour und dreimal der Gewinn des Charles Schwab Cups. Bernhard Langer hat seit der Umstellung seines Puttens wahrscheinlich mehr erreicht, als er sich zum damaligen Zeitpunkt erträumen konnte. Häufig Grund für seine herausragenden Leistungen: Zahlreiche gelochte, lange Putts, wie hier beim US Masters 2014:

Doch trotz der Erfolge von Bernhard Langer und anderer Triumphe von Spielern auf der PGA Tour (Vijay Singh, Steve Flash etc.) äußerte sich Mike Davis, Exekutivdirektor der United States Golf Association (USGA), im April 2011 zum Thema Anchored Putting wie folgt: „Wir sehen die Anchoring-Technik nicht als Trend. Es ist nicht so, dass alle jungen Golfer da draussen sie anwenden. Niemand hat bisher ein Major mit dieser Methode gewonnen.“ Diese Aussage sollte ein gewisser Keegan Bradley allerdings nur kurze Zeit später relativieren.

Bradley sorgt für Durchbruch der Anchoring-Technik

Bei der PGA Championship 2011 gelang Keegan Bradley im Atlanta Athletic Club mit seinem ersten Major-Sieg nicht nur der persönliche Durchbruch. Es war auch der erste Major-Sieg, der je von einem Spieler mit Hilfe eines Belly-Putters und der Anchoring-Technik errungen wurde. Bradley benutzte dabei einen 118 Zentimeter langen Belly-Putter von Odyssey.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Vier Schläge holte Bradley während der letzten drei Löcher gegenüber dem Führenden Jason Dufner auf. Legendär dabei vor allem sein Putt auf dem 17. Grün. Aus elf Metern lochte Bradley einen extrem schnellen Bergab-Putt zum Birdie. Der Wendepunkt! Es kam zum Stechen mit Dufner, welches Bradley schlussendlich mit einem Schlag Vorsprung für sich entschied.

Belly-Putter schlägt Broomstick-Putter

The Open 2012 in Royal Lytham & St. Annes: Auf den letzten Löchern fing Ernie Els noch Adam Scott ab und kürte sich zum The Open Champion. Bedeutet: Der Belly-Putter schlug den Broomstick-Putter. Els lochte dabei auf den letzten Löchern zwei entscheidende lange Putts, während Scott zum Ende hin die Nerven versagten.

Beide verwendeten auf den Grüns die Anchoring-Technik. Sieger Els trat mit einem 93 Zentimeter langen Belly-Putter an, den er zu Stabilitätszwecken in seinem Bauchnabel verankerte, während Scott mit einen 124 Zentimeter langen Putter spielte und diesen an seinem Brustbein postierte. Insgesamt griffen von 156 Teilnehmern im Feld bereits 43 Profis (27%) schon nicht mehr zu einem gewöhnlichen kurzen Putter.

Adam Scott und sein magischer Broomstick-Putter

Doch nur kurze Zeit später erhielt Scott beim US Masters 2013 erneut die Gelegenheit, endlich sein erstes Major zu gewinnen. Wieder mit dabei: Sein extra langer Broomstick-Putter. Und dieses Mal ließ ihn sein außergewöhnlicher Putter nicht im Stich. Am 72. Loch stopfte Scott schon einen sechs Meter Putt zum Birdie. Es kam zum Stechen gegen Ángel Cabrera und nun nahm die Magie des Broomstick-Putters seinen Lauf.

Nach zwei Pars auf dem ersten Extraloch, war es erneut Scotts Putter, der im strömenden Regen von Augusta heisslief. Scott lochte aus gut drei Metern und kürte sich somit zum ersten australischen Masters-Sieger aller Zeiten. Der emotionale Ausbruch danach bleibt unvergessen. Sein Putter war indes der mit Abstand längste, mit dem je ein Spieler in Augusta triumphieren konnte.

Matt Kuchar entwickelt „Arm Lock“-Putting-Methode

Der US-Amerikaner Matt Kuchar ist auf dem Tourzirkus schon lange für seine innovative Herangehensweise und sein Faible für Tüftelei im Bezug auf sein Golfspiel bekannt. Im Zuge des Hypes um die Anchoring-Technik entwickelte die aktuelle Nummer 20 der Welt im Jahr 2011 die sogenannte „Arm Lock“-Putting-Methode. Bei dieser Methode benutzt Kuchar einen 106 Zentimeter langen Putter, den er sehr kurz greift und dessen Ende er an seinem linken Unterarm so abstützt, dass seine Puttbewegung stabiler verläuft.

So konnte der 37-Jährige im Mai 2012 bei der Players Championship, die häufig auch als das fünfte Major des Jahres bezeichnet wird, als Sieger hervorgehen. Die USGA hat die „Arm Lock“-Technik inzwischen, als natürliche Verlängerung des Schlägers, für regelkonform erklärt. Einen genaueren Einblick in die Methode gibt folgendes Video:

Simpson bricht Belly-Putter übers Knie

Dass man auch eine rigorose Umstellung der eigenen Putt-Technik wählen kann, bewies indes Webb Simpson, als er zu Beginn der Saison 2015 ohne Umschweife zum kurzen Putter zurückkehrte. Bei der US Open 2012 triumphierte Simpson noch mit seinem Belly-Putter. Um nun nicht in Versuchung zu geraten, zurück zu seinem alten Arbeitsgerät zu wechseln, brach er diesen einfach übers Knie und hängte die beiden Einzelteile in seiner Vitrine auf.

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Yannick Beyss

Yannick Beyss - Autor bei Golf Post

Den ballsportverrückten Yannick hat schon früh die Liebe zur kleinen weißen Kugel gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Inzwischen hat der Longhitter mit dem Hang zum Risiko das einstellige Handicap auf Grund seines langen Spiels geknackt. Rund ums Grün wechseln sich  aber in gewisser Regelmässigkeit Weltklasse und Kreisklasse ab.

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