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All die Absagen: IOC droht Golf nach Rio mit dem Olympia-Aus

27. Jun 2016
Golf bei Olympia: Ist alles schon wieder vorbei, bevor es begonnen hat? (Foto: Getty)
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„Sie haben die Besten versprochen, nun sollen sie liefern!“ Branden Grace zieht ebenfalls zurück. In Irland rückt Harrington nach.

Wenn das so weiter geht, endet dieses Golf-Comeback im Zeichen der fünf Ringe wie das sprichwörtliche Hornberger Schießen, viel Trommelwirbel, klägliches Ergebnis. Nachdem das ganze Theater um den olympischen Golfplatz und seine Fertigstellung überstanden ist und gerade mal keiner über die Doping-Politik der PGA Tour redet, laufen dem olympischen Turnier scheinbar unaufhaltsam die Zugpferde aus dem Geschirr. Dabei – die Kritik an Qualifikationskriterien und Spielmodus unbenommen – sollen die ersten Wettbewerbe seit 112 Jahren eine breite sportinteressierte Weltöffentlichkeit für den Golfsport begeistern.

Absage von Day ebenfalls erwartet

Stattdessen aber kommen beinahe im Tagestakt die Absagen der Stars. Vor einigen Tagen verkündete schon Rory McIlroy seinen Rückzug. Nun gab der Südafrikaner Branden Grace als vorerst Letzter den Olympischen „Risiko-Spielen“ 2016 einen Korb, auch ihn schreckt der Zika-Virus, die gesundheitliche Gefährdung der Familienplanung. Dem Internationalen Olympische Komitee IOC passt das gar nicht, es droht unverhohlen mit der erneuten Verbannung aus der olympischen Familie: „Jede Sportart, die nicht ihre besten Athleten aufbieten kann, sollte [bei Olympia] nicht dabei sein!“


Das ist ein Schuss vor den Bug des Golf-Weltverbands IGF, der die Protagonisten, die Spieler, allerdings kaum abhalten wird. Manche, Adam Scott oder Louis Oosthuizen seien stellvertretend genannt, bringen für die vage, weil in einem 60-Kopf-Zählspiel auf einem unbekannten Platz zu verifizierende Aussicht auf olympisches Edelmetall wenig Begeisterung auf. Andere, und das ist die Mehrheit, kapitulieren vor Zika. „Ich heirate im November und möchte eine Familie gründen. Die Gesundheit kommt zuerst. Hoffentlich kann ich mich in vier Jahren wieder qualifizieren“, sagte Grace.

Derweil fürchten IGF und IOC ein offizielle Plazet des Weltranglistenersten Jason Day, das alsbald ebenfalls abschlägig erwartet wird, weil für den Australier „die Familien Vorrang hat und meine Frau Ellie und ich mehr als zwei Kinder möchten“. Selbst der Auftritt von Jordan Spieth („Ist die Olympia-Teilnahme es wert, sich einer gesundheitlichen Bedrohung auszusetzen? Nein!“) und Rickie Fowler im US-Olympia-Trikot ist keineswegs sicher. „Es muss geklärt sein, dass wir uns in punkto Gesundheit und Sicherheit keine Sorgen machen müssen“, erklärte Fowler.

„Zweit- oder drittklassige Spieler“

Die IOC-Granden, halt durchweg ältere Herren mit abgeschlossener Familienplanung, zeigen für derlei Bedenken wenig Verständnis und fuchteln unbeirrt mit dem Damoklesschwert der Ächtung. „Mir gefällt die Entwicklung nicht“, sagte beispielsweise das neuseeländische IOC-Mitglied Barry Maister in einem Radiointerview, „und ich glaube nicht, dass man dem [Golf-]Sport vor diesem Hintergrund erlauben sollte, weiterhin bei den Spielen zu sein.“

Maister kritisiert, dass sich Golf erst zu Olympia bekannt habe „und dann zweit- oder drittklassige Spieler aufbietet“. Das sei weit entfernt von der olympischen Idee: „Die Olympischen Spiele sind für die Besten, und sie haben die Besten versprochen“, ereiferte sich der Neuseeländer. „Sie sind dabei, dann sollen sie auch liefern!“

In Irland beispielsweise wird jetzt Padraig Harrington unverhofft zum Olympioniken. Nach McIlroys Absage erinnerte der nominelle Nachrücker Graeme McDowell nämlich flugs daran, dass er die Reise nach Rio bereits vor geraumer Zeit mit Hinblick auf seine schwangere Eherau Kristin ausgeschlossen habe. So rückt nun der dreifache Majorsieger Harrington als zweiter Mann und bester Ire hinter Shane Lowry ins Olympia-Team. Lowry indes hat neulich geheiratet, seine Absage wird vermutlich ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen: „Ich würde irrsinnig gern für Irland bei Olympia antreten, doch ich muss mich über den Virus informieren und eine Entscheidung fällen.“

Schlechter Witz von Player

Und dann ist da noch Gary Player. Südafrikas Teamchef hat die (wiederholte) Kritik am Patriotismus seiner südafrikanischen Landsleute zu allem Überfluss mit einem schalen Witz garniert. „Ich bin in Rio, habe keinen Kinderpläne mehr und hatte letztes Jahr 70 [Schläge] im Durchschnitt“, schrieb der Altmeister auf Twitter: „Ich bin bereit zu spielen, wenn noch mehr zurückziehen.“ Mit dem Statement passt er irgendwie zum IOC, und wer den ehrgeizigen neunfachen Majorsieger kennt, der weiß, dass die Aussage ohnehin so unernst nicht gemeint ist. Dennoch, „Mr. Black Knight“, das ist wenig ritterlich. Lustig schon gar nicht.

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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Alle Artikel von Michael F. Basche

6 LESER-KOMMENTARE

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Juergen Woelfel

    Hallo Herr Basche,
    ich lese immer nur welche Herren wegen der angeblichen Familienplanung absagen. Können Sie auch Spielerinnen-Namen nennen, welche für Rio bereits abgesagt haben. Viele der Spielerinnen sind jünger als die im Artikel genannten Herren und befinden sich bestimmt auch in der Familienplanung, sind aber anscheinend nicht so wehleidig.

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Woelfel,

      eine berechtigte Frage, die wir selbstverständlich aufgegriffen hätten, wenn es Berichtenswertes gegeben hätte. Aus dem Lager der Golferinnen gibt es in der Tat bislang keine Absagen, lediglich Lydia Ko hat eine gewisse Skepsis verlautbart. Allgemein überwiegt bei den Damen offenbar die Begeisterung und das Erkennen einer einmaligen Chance. Denn bei aller gesundheitlicher Vorsicht wird Olympia als ideale Plattform angesehen, das Damengolf in breitem Rampenlicht zu präsentieren und zu bewerben.

      Es ist offenbar auch so, dass Olympia im Damenlager gegenüber den Majors als absolut gleichwertig, wenn nicht gar übergeordnet angesehen wird, was bei den Herren zumeist keineswegs der Fall ist – nachvollziehbar angesichts der Popularität von Masters und Co. im Vergleich zu den Damenmajors. Außerdem betreibt vor allem die LPGA wohl eine sehr intensive Informationspolitik und vermittelt den Damen damit auch hinsichtlich der Risiko-Aspekte von Olympia ein hohes Maß an Sorgfalt und Sicherheit. Es wird diesbezüglich eine Aussage kolportiert, nach der man einfach abwarten will, wie sich z.B. das Problem Zika-Virus entwickelt. Im Klartext: Man hält erstmal die Füße still, kurz vor Rio kann man immer noch absagen…

      Viele Grüße

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  2. Hallo Herr Basche,
    Olympia ist schon lage nicht mehr die Veranstaltung der Besten und schon gar nicht der Amateure. Neben der gesundheitlichen Gefährdung, die vom IOC bewusst klein gehalten wird – sonst müsste man alles absagen – sollten sich die Herren Funktionäre in Erinnerung rufen, dass auch im Fussball und bis vor kurzem im Eishockey auch nicht die Besten der Welt antraten. Bach und Maister sollten besser erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Im IOC sitzt auch nicht unbedingt eine Elite.

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Hallo Herr S,

      mit Dank für Ihre Anmerkung gebe ich Ihnen völlig recht. Ein Kommentar zu besagtem Artikel hätte daher gewiss u. a. den Hinweis enthalten, dass es sich bei den Aussagen um die typische Arroganz und Ignoranz des IOC handelt, das permanent allerlei ideelle Werte und den olympischen Geist beschwört, selbst aber bevorzugt dem „Götzen Mammon“ huldigt.

      Viele Grüße

      Antworten

  3. Thomas Lueders

    Hallo Herr Basche,
    keine Ahnung, was Golf mit Olympia zu tun hat. Trifft sich nicht bei Olympia die Jugend der Welt? Was haben denn dort „ältere“ Herren wie Cejka oder Harrington verloren? Und, warum sollen überhaupt diese mega-reichen Golfspieler dort spielen? Berufsspieler die golfen und bitterarme Amateure die rudern, paddeln, laufen und springen – das paßt doch überhaupt nicht zusammen! Also, Olympiade natürlich ohne Golf. Am besten ab sofort!

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Hallo Herr Lueders,

      danke für Ihre Anmerkung! Es ist gewiss eine berechtigte Frage, die zuvorderst dem IOC und dem Golfweltverband IGF gelten würde. Allerdings stimmen die ideellen und ideologischen Konnotationen („Jugend der Welt“ etc.) doch von je her nicht mit der olympischen Realität überein, schon die Pankratiasten der Spiele des Altertums beispielsweise wurden als gesetzte Herren mit gepflegten Bärten dargestellt…

      Die materielle Ambivalenz ist ebenfalls nicht neu, denken Sie nur an 1992, als Michael Jordan und Co. sich einen netten Golfurlaub in Spanien gönnten und nebenbei Basketball-Gold in Barcelona abholten. Und auch Usain Bolt sollte demnach nicht bei Olympia starten. Will heißen: Diese Diskrepanzen muss nicht erst Golf aufzeigen.

      Viele Grüße

      Antworten

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