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Alberto-Golf: „Unsere Hosen sollen Leistung steigern, das ist oberstes Ziel“

25. Mrz 2016
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Alberto verspricht die perfekte Passform: Wie der Golfhosenhersteller aus Mönchengladbach das anstellt und was bei der Herstellung alles eine Rolle spielt. Ein Interview.

ALBERTO-Golfhosen sind den meisten Golfern ein Begriff: Wer an sie denkt, denkt an bunte Hosen, die man schon von weitem erkennt, auffällige Muster und hohe Qualität, die ihren Preis hat. Die deutsche Firma aus Mönchengladbach macht seit über 90 Jahren nichts anderes als Hosen; seit 2004 gehören auch Golfhosen zu Portfolio, die das Alberto-Team rund um die Familie Walendy und Geschäftsführer Marco Lanowy von Saison zu Saison weiterentwickeln. Ein Gespräch mit den Machern der Golfhosen über Trends, Funktionen und darüber, wie man als vermeintlicher Neuling zur Marke wird.

Golf Post: Hosen sind Ihr Steckenpferd, Sie versprechen die perfekte Passform. Wie schafft man das, wenn die Menschen alle unterschiedlich sind?


Marco Lanowy: Das ist eine Markterfahrung. Wir beschäftigen uns mit den Hosenträgern, mit Studien und mit den Rückmeldungen der Kunden. Der Endverbraucher soll sich in den Hosen wohl fühlen. Besonders beim Golf: Die Hose soll ja Leistungsverbesserung erbringen, das ist unser oberstes Ziel. Ich möchte, dass die Hose bei meinem Abschlag so perfekt sitzt, dass ich nicht mehr zippeln und zappeln muss, sondern mich auf meinen Abschlag konzentrieren kann.

Golf Post: Was muss die Hose dafür können?

Anna Walendy: Das A und O ist, dass sie perfekt sitzt. Dafür arbeiten wir mit einem Fit-Baukasten. Je nach Modell sind unsere Hosen zum Teil völlig unterschiedlich geschnitten, vor allem in der Leibhöhe und im Beinverlauf. So schaffen wir es, für verschiedene Körpergrößen, Altersgruppen, aber auch den sportlichen Anspruch die passende Hose anbieten zu können.

Philipp Walendy: Wir machen regelmäßig Anproben mit unseren verschiedenen Mitarbeitern, wo man jede Figur mal hat: kleine und große, dicke und dünne Oberschenkel und dann können wir ganz gut sehen, wie die Passform bei den verschiedenen Figuren passen.

Marco Lanowy:  Außerdem haben wir Golfprofis wie Moritz Lampert, Florentina Parker, Alex Cejka usw., die unsere Hosen tragen und uns Feedback geben. Ergänzend gibt es sogenannte Reihenmessungen. Das Hohenstein-Institut macht Messungen, um der Industrie eine Richtlinie geben zu können, wie der durchschnittliche Deutsche, Italiener, Engländer usw. aussieht. Innerhalb dieser Richtlinie muss man dann seine Zielgruppe finden und wir haben uns für die moderne, jung denkende Zielgruppe entschieden. Wir nennen sie „Generation iPhone“; sie ist technikaffin und stilbewusst. Für sie haben wir ein Passformkonzept entwickelt, aber wie das genau aussieht, ist natürlich ein Stück weit unser Geheimnis. Soviel können wir sagen: Wir sind nah am Träger und bekommen sehr viele Informationen von ihm, über Jahre hinweg. Zusammen mit den Studien, die wir machen, ergibt sich ein ganz gutes Bild von unserem Kunden.

Golf Post: Das Unternehmen hat 90 Jahre lang ausschließlich Herrenhosen produziert. Seit 2013 bieten Sie nun auch Damenhosen an. Wie kam es dazu?

Marco Lanowy: Wir haben uns lange Zeit auf das konzentriert, was wir gut können – eine Damenhose sollte nicht gemacht werden. Dabei kam über mehrere Jahre hinweg immer wieder die Rückmeldung von Frauen, dass sie auch eine Golfhose haben möchten. Als Anna (Walendy, Tochter des Inhabers, Anm. d. Red.) dann schon länger im Unternehmen im Kundenservice und Retail war, haben wir heimlich angefangen, eine Damenhose zu entwickeln.

Anna Walendy: Denn wenn ich in Geschäften unterwegs war und mich umgeschaut habe… für mich als Person Anfang 30 gab’s keine vernünftigen Hosen für den Golfplatz. Mit einem Kunden – Engelhorn Sports – haben wir exklusiv zwei Modelle getestet und sind in der ersten Saison direkt auf Platz eins im Golfhosenbereich geschossen. Dann haben uns andere Golfclubs angerufen und wollten diese Hosen auch verkaufen. Da mussten wir nein sagen, weil wir Engelhorn zugesagt hatten, dass der Test exklusiv mit ihnen läuft – das Neinsagen war echt hart.


Die neue Alberto-Golf-Kollektion

Golf Post: Bereut man so einen Exklusivdeal?

Anna Walendy & Marco Lanowy (einstimmig): Gar nicht!

Anna Walendy: Wir haben dieses Jahr wirklich gebraucht, um aus den zwei Modellen eine Kollektion zu entwickeln, die dann auch damentauglich war. Engelhorn hat uns mit dem Feedback sehr geholfen, Fehler auszumerzen und die Hose für den Markt fertig zu machen. Das hat in der nächsten Saison sehr gut funktioniert.

Golf Post: Wie ging es dann weiter?

Anna Walendy: Wir haben aus dem einen Modell dann weitere Modelle entwickelt. Ich selbst war viel auf Golfplätzen unterwegs und habe Spielerinnen gefragt: Was braucht Ihr, was gefällt Euch?

Golf Post: Wie wählt man die Leute aus, die einem Feedback geben können?

Anna Walendy: Zufällig.

Marco Lanowy: Sie wählen Dich aus.

Anna Walendy: Ja. Wir haben eine sehr mitteilungsbedürftige Damen-Mannschaft, die uns gern Feedback gegeben hat, weil der Bedarf an Damengolfhosen einfach sehr groß war.

Golf Post: Warum eigentlich so dezentes Branding? Warum nicht mal ein größeres Alberto-Logo auf eine Profigolferhose packen, damit die Leute sehen, dass es eine Alberto-Hose ist?

Marco Lanowy: Wir haben ein gewisses Understatement, weil wir uns nicht als Litfasssäule sehen, sondern das Produkt soll im Vordergrund stehen. Das Plakative ist schnell mal out. Wir sponsern deshalb nicht mit Geld, sondern wir wollen, dass Golfer unsere Hosen aus Leidenschaft und Überzeugung tragen und stolz auf das kleine Signé sind. Das war für viele in der Branche eine Veränderung. Als wir mit der Kollektion rausgekommen sind, haben so viele nach Pro-Packages gefragt! Da haben wir gesagt: Du bist doch unsere Zielgruppe! Wenn wir Dir das jetzt schenken, an wen sollen wir das dann noch verkaufen? Und dadurch haben wir auch die Marktidee verändert, denn da hat der Endverbraucher gemerkt, dass mit unseren Hosen nicht jeder rumläuft, weil er es subventioniert bekommt. Sondern es ist ein Produkt, das man sich erkaufen und besorgen muss. Und wie das immer im Sport ist: Das kann auch erstmal schön aussehen, aber wenn man die Funktionalität spürt – und die kann man nicht groß draufschreiben, die erlebt man – dann erkennt man, dass das wirklich ein gutes Produkt ist, dann wirst Du zur Marke. So hat uns der Endverbraucher geholfen zur Marke zu werden.

Golf Post: Sie haben ein großes Kreativbüro, in dem Sie die Ideen für kommende Kollektionen entwickeln. Woher wissen Sie, was in der kommenden Saison Trend sein und nachgefragt wird?

Philipp Walendy: Da gibt es viele Möglichkeiten. Unter anderem kommen Ideen aus der letzten Saison, die man versucht besser zu machen. Außerdem reisen wir viel; international, Mailand, London. Da sind wir viel in Sportgeschäften, aber auch Ideen von woanders fließen in die Golfhosenentwicklung ein.

Anna Walendy: Zurzeit tut sich auch viel bei Materialien. Wir sind auch viel auf Stoffmessen unterwegs, wo neue Entwicklungen vorgestellt werden.

Marco Lanowy: Wir schauen sehr viel in andere Branchen: Was verändert sich beim Fußball, beim Running, beim Biken und was kann das für Alberto bedeuten? Welches sind die Farben zuhause, mit denen man sich wohl fühlt? Früher gab’s kleine Handys, heute große – wo bringt man die unter? Trägt man Kopfhörer mit Kabeln oder Bluetooth? Das alles spielt zusammen, es ist ein Riesenball an Faktoren.

Golf Post: Es geht also nicht nur um Mode, sondern auch um Funktionalität.

Anna Walendy: Farben und Fröhlichkeit draußen auf dem Platz sind sehr wichtig für uns. Aber ja, die Frage ist noch eher, was muss ein Produkt alles können? Das, was man anzieht, muss heutzutage viel mehr leisten. Ich muss damit golfen, arbeiten und die Kinder zur Schule bringen können. Dieses Integrierte und die Funktionalität werden immer mehr zum Trend.

Vielen Dank für das Interview!

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Juliane Bender

Juliane Bender - Leitende Redakteurin bei Golf Post von Juli 2012 bis Februar 2016

Juliane ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Für sie ist das Faszinierende an Golf: Der Sport ist ein guter Lehrmeister, nicht nur, wenn man gerade den Schläger schwingt. Sie finden Juliane Bender auch unter Google+
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