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Ready for take off: Der Albatros setzt zum Start an

"Bonne chance Albatros". Jürgen Linnenbürger hat den Ryder-Cup-Platz im Le Golf National unter die Lupe genommen und Versailles erkundet. Ein Reisebericht.

Der L'Albatros im Le Golf National ist Austragungsort des kommenden Ryder Cups. Jürgen Linnenbürger nahm ihn genauestens unter die Lupe. (Foto: Jürgen Linnenbürger)
Der L'Albatros im Le Golf National ist Austragungsort des kommenden Ryder Cups. Jürgen Linnenbürger nahm ihn genauestens unter die Lupe. (Foto: Jürgen Linnenbürger)


‚JUH ROPP, JUH ROPP' wird es vom 28.-30. September über den Albatros Platz des Le Golf National tönen. Es ist wieder Ryder Cup Time. Alle zwei Jahre wird das Turnier im Wechsel in Europa und in Übersee ausgetragen. Dieses Jahr haben die Europäer Heimrecht. Die Golfelite trifft in Frankreich aufeinander.

70.000 Menschen werden täglich dabei sein, wenn die europäischen Spitzengolfer auf die der USA treffen. In Saint-Quentin-en-Yvelines, 28 km von Paris und gut 10 km von Versailles entfernt, geht dieses besondere Spektakel in die 42. Runde. Zum ersten Mal wurde es 1927 ausgetragen.

Wer als Zuschauer dabei ist, kann sich glücklich schätzen. Die für ein Golfturnier atypische, lockere Stimmung und die einzigartige Atmosphäre sind nicht zu toppen. Ryder Cup ist Gänsehautfeeling pur. Jeder Lochgewinn wird von den Zuschauern frenetisch gefeiert. Die gesamte Anlage bebt. Europa- und USA-Flaggen werden geschwenkt. In ihren Landesfarben verkleidete Fans erinnern an Karneval und Fasching. Sie feuern ihre Mannschaften lautstark an. Doch das fachkundige Publikum aus der ganzen Welt bleibt stets fair und respektvoll, zumindest in Europa.

L'Albatros im Le Golf National - auf den Spuren des Ryder-Cup-Platzes

Der Platz hat es in sich. Wenn die Besten der Besten aufeinander treffen sind sportliche Höchstleistungen und mentale Stärke gefragt. Und beide sind hier notwendig. Jedes Loch weist gleich mehrere Schwierigkeiten auf.



Robert Van Hagge und Hubert Chesneau haben sich 1990 bei der Platzarchitektur schon etwas Besonderes einfallen lassen. Er ist ein Links Course mit Einflüssen typischer TPC-Plätze in Florida. Hinzu kommen wird die Atmosphäre eines Stadion-Platzes. Die Tribüne, die um den Abschlag der ‚1' errichtet wird, bietet dann 6.600 Fans einen Sitzplatz. Größer war bisher noch keine. Unvorstellbar, welche Stimmung hier bei der Präsentation der Spieler vor ihrem ersten Schlag herrschen wird.

Gebaut wurde er ursprünglich zur Austragung der Open de France. 1991 fanden diese zum ersten Mal statt. Seitdem wird das Turnier der Europäischen Tour jedes Jahr ( bis auf zwei Ausnahmen) hier ausgetragen. So auch Ende Juni 2018. Zur Generalprobe werden etliche USA-Spieler erwartet. Ein persönliches Kennenlernen vor dem Megaevent macht Sinn.

Paul Armitage ist Direktor des Le Golf National. Er berichtet, dass der Platz nach der Vergabe an Frankreich überarbeitet und Ryder Cup-fähig gemacht wurde. Hierfür wurde nur ein Jahr benötigt. Zwischen Mitte 2015 und 2016 wurden einige Bahnen neu gestaltet. Der gesamte Platz erhielt eine neue Drainage. Die Bunker erhielten einen mit einem Wasser durchlässigen Sand. Schlechtes Wetter wird dem Platz also nichts ausmachen. Diese Umbau-Maßnahmen erforderten ca. 7,5 Mio. Euro. Hinzu kommt die Eintrittskarte in Höhe von  46 Mio. Euro, die der Le National für die Ausrichtung des Turniers lösen musste.



Das ist eine Menge Geld, doch die Investition ist langfristig zu sehen. So werden hier auch die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen 2024 vergeben. Die Anlage soll zukünftig Golfer aus aller Welt anziehen. Dies geschieht bereits heute in großem Maße. Der hohe Anteil der Asiaten fällt besonders auf.

Für den Ryder-Cup werden Tribünen mit insgesamt 10.000 Sitzplätzen errichtet. Auf 14 großen Screens kann man auf der gesamten Anlage das Geschehen live verfolgen. Das Zuschauerdorf wird eine Größe von 13.000 qm haben. Paris ist also bestens vorbereitet. Paul hat jetzt schon gut lachen. Der erwartete wirtschaftliche Erfolg des Ryder Cups wird dies wohl weiter verstärken.

Jürgen Linnenbürger mit dem

Jürgen Linnenbürger mit Paul Armitage (re.), dem Direktor des Le Golf National. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Golferherz, was willst Du mehr?

L'Albatros zu spielen ist für jeden Golfer ein einmaliges Erlebnis. Enge Fairways, Wasserhindernisse an den meisten Löchern, große Bunkerlandschaften und schnelle, ondulierte Grüns zeichnen ihn aus. Doch das tiefe Rough toppt alles. Den Score sollte man beim ersten Mal nicht überbewerten. Bei der Schlägerwahl kann ‚weniger ist mehr' helfen. Dem Driver sollte man häufig eine Pause gönnen.





Viele bringen bereits an Loch 1 einen zweiten Ball ins Spiel. Das tiefe Rough auf der rechten Seite verleitet dazu, sich mehr nach links auszurichten. Doch hier wartet entlang der gesamten Spielbahn bis hinter das Grün das feuchte Nass. Bei dem dann folgenden Par 3 spielt man vom erhöhten Abschlag den Ball carry über das Wasser. Dessen Grün ist zwar relativ breit, aber nicht sehr tief. Die dahinter liegenden Bunker erhöhen weiter seine Schwierigkeit. Nach zwei Löchern kann der Golftag also schon gelaufen sein.

Die folgenden Löcher werden nicht leichter und erfordern alle höchste Konzentration. So auch die 8, ein Par 3 mit 169 m von den gelben Abschlägen.

Hohes Rough und wenig Platz. Der Albatros hat es in sich. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Hohes Rough und wenig Platz. Der Albatros hat es in sich. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Wer es bis zur 15 schafft und noch ausreichend Bälle im Bag hat, kann sich freuen. Denn die wird man auf den letzten 4 Bahnen noch benötigen. An drei dieser Löcher kommt wieder reichlich Wasser ins Spiel.

Die Inselgrüns der 15 und 18 erhöhen zum Ende der Runde noch einmal den Adrenalinspiegel. Das Überschreiten der kleinen Brücken ohne Ballverlust stärken Selbstbewusstsein und Freude enorm. Das breite Grinsen derjenigen, die hier erfolgreich scoren, ist unübersehbar. Wahrscheinlich wird der Ryder Cup an diesen Löchern entschieden. Auf den umliegenden Naturtribünen werden dann zig Tausende Menschen hoffentlich Europa frenetisch zum Sieg begleiten.

Da wird der Ball schnell mal nass. Auf den Inselgrüns der 15 und 18 ist präzises Spiel gefordert. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Da wird der Ball schnell mal nass. Auf den Inselgrüns der 15 und 18 ist präzises Spiel gefordert. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Schon jetzt ist der Pflegezustand großartig. Fairways und Grüns sind ohne jede Kritik. Der strahlend weiße Sand der Bunker reiht sich in diese Beurteilung nahtlos ein. Von den gelben Abschlägen hat er eine Länge von 5.854 m und einen Slope von 137. Von Rot sind es 5.038 m mit einem Slope von 138.

Le National verfügt neben dem ‚L'Albatros' noch über einen weiteren 18-Loch Platz, den ‚L'Aigle'. Er ist leichter zu spielen als der Championship Platz, hat breitere Fairways und weniger Wasser und Bunker. Darüber hinaus gibt es noch den 9-Loch-Platz ‚L'Oiselet'. Der Großraum Paris bietet insgesamt weitere 7 Golfanlagen, teilweise mit bis zu 45 Löchern. Golferherz, was willst Du mehr?

Als Unterkunft bietet sich das 2017 renovierte 4-Sterne Novotel St. Quentin auf der Anlage des Le National an. Näher wohnen kann man nicht. Seine 131 Zimmer verfügen über einen modernen Standard. Von den Executive-Zimmern kann man das Geschehen auf dem Platz verfolgen. Die neue Gourmet Bar serviert eine traditionelle französische Küche, das Clubhaus lädt zu Grillgerichten ein. Das Hotel verfügt über einen nicht beheizten Außenpool und einen Fitnessbereich.

Gold und Glanz auch außerhalb des Le Nationals

Das naheliegende Versailles mit seinem prunkvollen Barockschloss und beeindruckenden Gärten muss man auf jeden Fall besuchen. Es gilt als das Schloss der Könige. Ludwig XIV hat in dieser Palastanlage ebenso residiert wie Ludwig XV und Ludwig XVI. Die Schlossanlage ist eine der bedeutendsten und schönsten Europas. Ludwig XIV begann unmittelbar nach Regierungsantritt 1661 mit dessen den Um- und Ausbau.

Der Spiegelsaal und das Schlafgemach des Sonnenkönigs sind die meist besuchten Räume des Schlosses. Es befand sich exakt in der Mitte des streng geometrisch angelegten, riesigen Gebäudekomplexes. Sein Beiname ‚Sonnenkönig' soll daraus resultieren, dass er das Aufstehen als Zeichen des Sonnenaufgangs verstand. Dieses Ereignis hat er täglich ausgiebig zelebriert und 100 Personen empfangen. Eine andere Version ist, dass er mit 15 Jahren in einem Ballett tanzte und als Kostüm eine Sonne trug.

Prunk und Gold im Schloss der Könige in Versailles. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Prunk und Gold im Schloss der Könige in Versailles. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Über das prunkvolle Ausnahmeschloss und seine riesigen Gärten zu berichten, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Man kann es allein erkunden oder sich einer der vielfältigen Führungen anschließen. Dies ist auf jeden Fall zu empfehlen. Auf diese Weise kann man das Anstehen an den riesigen Warteschlangen vermeiden und wird bestens durch das Schloss geführt. In der Hochsaison besuchen bis zu 200.000 Menschen täglich aus aller Welt die Schlossanlage.

Haute Cuisine in zeitgenössischem Ambiente

Oder man besucht vor dem Sightseeing das ‚ORE Ducasse au château de Versailles'. Auch von hier gelangt man ohne zu warten direkt in das Schloss.

Das in dessen Nähe liegende Café-Restaurant befindet sich in der ersten Etage des Pavillons Dufour. Dieser wurde in 2015 /2016 vollständig renoviert. Es wird von dem hochdekorierten (mehrere Michelin-Sterne) Starkoch Alain Ducasse betrieben. Es ist das erste Restaurant im Schloss. Ore ist lateinisch und bedeutet ‚Mund'. Kaum zu glauben, dass das französische ‚Or', das Gold bedeutet, bei der Namensgebung keine Rolle gespielt haben soll.

Ducasse möchte den Schlossbesuchern die traditionelle französische Küche näher bringen. Gaumenfreuden versteht er als einen der Grundpfeiler der französischen Kultur. Gemüse und Gewürze stammen aus dem Garten des Schlosses. Angelehnt sind die Gerichte an die Blütezeit von Versailles.

Das ORE erstrahlt in hellem Licht. Aus seinen Fenstern genießt man Blicke auf Teile des Schlosses. Seine Einrichtung ist eine zeitgenössische Neuinterpretation des barocken Stils. Gold und Spiegel dürfen natürlich nicht fehlen. Es ist an vielen Stellen dezent eingesetzt. So wie in den modernen Deckenlampen mit ihren stabförmigen Leuchten, die die strahlende Sonne symbolisieren. Diese findet man auch in der beeindruckenden Bar. Das im Schloss verwandte Versailler Parkett ziert die eleganten Böden.

Haute Cuisine im Schloss-Restaurant ORE. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Haute Cuisine im Schloss-Restaurant ORE. (Foto: Jürgen Linnenbürger)

Während der Öffnungszeiten des Schlosses steht es den Besuchern zum ‚Petit Déjeuner', ‚Déjeuner' und ‚Le Thé' zur Verfügung. Tagsüber ist es ein zeitgenössisches, elegantes französisches Café. Touristen können sich an den angebotenen Menüs und den kreativen Nachspeisen erfreuen. Am besten man reserviert einen Tisch.

‚Messieurs, au couvert du roi'

Abends kann man es für private Veranstaltungen mieten. Wenn das Schloss geschlossen ist, kann man exklusiv in die Atmosphäre früherer Jahrhunderte eintauchen. Und ein historisches Menü, zeitgenössisch interpretiert, wie zu König's Zeiten genießen. Ovale Tische, edles Porzellan, Tischdecken aus der Marie-Antoinette-Epoche sowie riesige Kerzenstän-der runden das royale Erlebnis ab. Der Blick durch die bodentiefen Fenster auf das illuminierte Schloss unterstreicht dies besondere Erlebnis.

Der livrierte Kellner mit Perücke begleitet die Gäste an ihren Tisch und beginnt den Abend, wie damals, mit den Worten ‚Messieurs, au couvert du roi'.

Paris mon amour. Meine Liebe für diese Stadt wird nicht nur durch das großartige Golfangebot weiter verstärkt. Bonne chance Albatros. Trage Europa zum Sieg.

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