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Adam Scott: „Man sollte Olympia den Amateuren überlassen“

16. Dez 2014
Geht es nach Adam Scott, treten bei Olympia 2016 in Rio nur Amateure an. (Foto: Getty)
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Nach Scott fragt sich auch die Redaktion: Wie wäre es mit Amateuren im olympischen Golfwettbewerb? Ein Meinungsaustausch.

Bei Olympia 2016 in Rio starten nur Amateure. Zumindest, wenn es nach Adam Scott geht. Der Weltranglistendritte sprang seinem amerikanischen Kollegen Boo Weekley zur Seite, der einer australischen Zeitung sagte, dass statt Profis nur Amateure um olympisches Gold kämpfen sollten.

„Die Leute sehen uns 45 Wochen im Jahr zu“, sagte Scott im Vorfeld eines Turniers in seiner Heimat Australien. „Wenn man das Spiel populärer machen wollte, würde man Olympia den Amateuren überlassen.“ Falsch verstanden wissen will sich der ehemalige Weltranglistenerste aber auch nicht: „Ich wünsche mir an den Spielen teilzunehmen.“ Aber „ich werde meinen Fokus nicht ändern. Der wird auf den vier Majors liegen.“


Martin Kaymer: „Wenn schon, denn schon!“

Martin Kaymer sieht das ganz anders. Für ihn gibt es „nichts Größeres, als eine Medaille für sein Land zu holen.“ Bereits seit einem Jahr bereite sich der 29-Jährige mental auf das Großereignis in Rio vor. „Wenn schon, denn schon. Ich fahre ja nicht dahin, um Zweiter oder Dritter zu werden. Ich würde dann schon gerne oben stehen, wie bei jedem anderen Turnier auch.“

Kaymer ist sehr ehrgeizig, was Olympia 2016 angeht. Scott dagegen würde das Feld bereitwillig den Amateuren überlassen. Auch die Meinungen in der Golf-Post-Redaktion sind gespalten. Sowohl für ein Amateurturnier, als auch für die offiziell geplante Austragung des Turniers mit Profis, gibt es gute Argumente.

Unsere Autoren Tobias Hennig (Pro Amateure) und Oliver Felden (Kontra Amateure) sind sich uneins – ein Streitgespräch.

Olympia 2016 – Punkt eins: Die Stärke des Feldes

Um Unklarheiten vorzubeugen, vorab einige Fakten zum Modus. Das olympische Turnier in Rio 2016 wird, wie ein übliches Tour-Turnier, über vier Tage im Zählspiel-Format gespielt. Das Feld besteht, sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren, aus 60 Spielern. Die besten zwei Spieler jedes Landes dürfen an Olympia teilnehmen, außer es sind am Stichtag der Qualifikation mehr als zwei Spieler unter den Top 15 der Weltrangliste platziert sind, dann nämlich wird das Maximum an Startberechtigten des jeweiligen Landes auf vier Spieler angehoben. Weitere Details dazu lesen Sie hier.

Pro Amateure: Wenn aus jedem Land nur zwei Spieler starten, werden bei Olympia 2016 sowieso nicht die besten Golfspieler an den Start gehen. Als derzeit 59. des Starterfeldes wäre beispielsweise die Inderin Monga Gauri startberechtigt. In der Weltrangliste liegt sie auf Rang 449 – Siegchance gleich Null. So bleiben ohnehin maximal zehn bis 15 Spieler, die um olympisches Gold kämpfen werden.

Somit ist das Turnier von vornherein in seiner Spannung limitiert. Würden Amateure antreten, wäre es ein offenes Rennen um den Sieg. Das Niveau wäre vielleicht nicht so hoch, aber das Teilnehmerfeld definitiv ausgeglichener. Was wollen wir sehen? Einen Zehn-Schläge-Vorsprung-Sieg oder einen Putt zum Triumph am letzten Loch?

Kontra Amateure: Die Bedenken, das Starterfeld würde durch die Begrenzung der nationalen Startplätze geschwächt, halte ich für unberechtigt. Ich sehe es ganz im Gegenteil: Bei Olympia 2016 werden maximal vier Amerikaner zu sehen sein, das schafft Raum für andere Spieler, sich in Szene zu setzen. Denn das schöne am Golf ist ja, wodurch es sich von vielen anderen Sportarten abhebt: Alles ist möglich!

Wer hätte noch vor Beginn der FedExCup-Playoffs 2014 auf Billy Horschel als Gesamtsieger gesetzt? Oder auf das Comeback der Europäer beim Ryder Cup 2012? Es werden, in der Regel, die stärksten zwei Spieler einer Nation um die olympische Goldmedaille kämpfen, für ihr Land – von einem schwachen Feld kann also niemals die Rede sein. Und wäre es mit Amateuren etwa stärker?

Punkt zwei: Preisgeld und Prestige

Hier steht die Tatsache im Raum, dass es auch bei anderen olympischen Sportarten die Regelung gibt, die Spiele nur auf den Amateurbereich zu beschränken. Vor allem handelt es sich um Sportarten, in denen es im professionellen Bereich um teilweise astronomische Summen geht – wie zum Beispiel Boxen oder Fußball (nicht direkt Amateur-Modus, aber U21).  Auch ein Olympiasieg ist nicht nur mit hohem sportlichen Ansehen, sondern meistens auch mit Prämien verbunden.

Pro Amateure: Ein Amateurturnier würde dazu beitragen, dass Golf tatsächlich gefördert wird. Denn Geld gibt es für Olympiasiege nicht direkt. Normalerweise sind es die nationalen Verbände, die Prämien für Platzierungen ausschütten. Zudem werden gute Ergebnisse im Nachhinein mit einer besseren Sportförderung belohnt. Olympia könnte also, ganz im Sinne Adam Scotts, zum Sprungbrett für ambitionierte Amateure werden.

Ein Profiturnier mit nur zwei Vertretern je Nation stärkt ohnehin nur die, die sowieso schon Millionäre sind. Einem Amateur würde ein Olympiasieg die Gelegenheit verschaffen, sich Sponsoren zu präsentieren, für Turnierausrichter interessant zu machen und eventuell ins Profigeschäft einzusteigen. Und welches Prestige gibt es eigentlich in einer Sportart zu gewinnen, die über hundert Jahre nicht olympisch war? Das was Olympia für andere Sportarten ist, sind die Majors für Profi-Golfer. Und so sollte es bleiben.

Kontra Amateure: Ein Olympiasieg per se bringt erst mal überhaupt kein Preisgeld. Die Prämien, die Medaillengewinner für bestimmte Platzierungen erhalten, werden allein über die nationalen Verbände beschlossen. 2012 in London gab es für deutsche Sportler 15.000 Euro Prämie für eine Goldmedaille von der Deutschen Sporthilfe – das sind für Golfer wie Martin Kaymer oder Marcel Siem natürlich Peanuts.

Für die Elite des globalen Golfs steht die finanzielle Komponente eines Olympiasieges in keinem Verhältnis zur sportlichen – und das gilt für die meisten anderen Sportler genauso. Golfer sind Athleten, Sportler durch und durch, und ich halte es da mit Martin Kaymer, denn einmal bei Olympia sein Land vertreten zu dürfen muss der Traum eines jeden Sportlers sein. Oder um es mit IOC-Präsident Thomas Bach zu sagen: „Wenn jemand Leistungssportler wird, um durch einen Olympiasieg ausgesorgt zu haben, dann würde ich ihm – flapsig gesprochen – eher empfehlen, zur Lotto-Annahmestelle zu gehen.“ Außerdem, sollte Martin Kaymer gewinnen und die 15.000 Euro erhalten, bin ich fast sicher die laufen ohne Abzüge in seine Stiftung ein.

Punkt drei: Olympia 2016 als Bühne für den Golfsport

Über die olympischen Spiele in Rio bekommt Golf die Chance, sich auf einer der größten Sportbühnen der Welt zu präsentieren, und zwar nicht nur ohnehin Golf-Interessierten, sondern der ganzen Welt. Durch die Einbindung in das olympische Programm erfährt der Golfsport Aufmerksamkeit in einer Breite, die ihn, mit Blick auf die Nachwuchsprobleme und wirtschaftliche Krise der Branche, wieder in die Bahn bringen könnte.

Pro Amateure: Der olympische Gedanke wird zwar oft zitiert, doch wo wird er eigentlich noch vorgelebt? Bei einem olympischen Profiturnier sicher nicht. Bedenkt man das Image des Golfsports in Deutschland, wird ein Profiturnier in Rio wohl kaum einen Deutschen aufs Grün bringen. Gäbe man Amateuren eine Chance, hätten diese ein großartiges Ziel vor Augen. Zugegeben, kaum einer wird es erreichen, aber es wäre immerhin ein Anreiz – auch ohne den Druck des Profisports.

Man sollte den Zuschauern beherzt vor Augen führen, dass Golf ein Sport für jedermann ist. Und dass jedermann rund um die Welt Golf spielen kann. Den Geist des Sports kann jeder vermitteln der ihn liebt. Und wer so golfbegeistert ist, dass er es als Amateur bis zu den olympischen Spielen schafft, ist der beste Botschafter den es gibt!

Kontra Amateure: Wie sollte die große Bühne Olympia 2016 besser genutzt werden können, als durch die Größen des Golfsports, durch die nationalen und internationalen Aushängeschilder, durch Tiger Woods und Martin Kaymer? Gebeutelt durch verschiedene Krisen und mit großen Nachwuchssorgen behaftet liegen auf den olympischen Spielen große Hoffnungen, und zwar von allen Bereichen des Sports.

Egal ob als Chef einer Schläger-Manufaktur, der auf bessere Umsatzzahlen hofft, als Club-Vorsitzender, der neue Mitglieder sucht oder als Otto-Normal-Golfer, der seinem geliebten Sport endlich ein besseres Image wünscht – nur die Profis sind in der Lage, den Geist des Spiels zu verbreiten, eine neue Generation anzusprechen. Daher muss Olympia den Profis vorbehalten sein!

Profis oder Amateure? – Sagen Sie uns Ihre Meinung!

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3 LESER-KOMMENTARE

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  1. Ich kann Adam Scott nur zustimmen. Bei den Fussballern spielt auch nicht die Weltelite im olympischen Turnier sondern die U21 Mannschaften. Man sollte die Einstellung von Martin Kaymer nicht generalisieren. Einem Rafa Nadal ist ein Grand Slam ebenso wichtiger als eine Goldmedaille, wie einem Lionel Messi die Champions League. Wenn die Spitzenamateure antreten wird die Breitenwirkung m.E. genauso groß sein.

    Antworten

  2. Ich bin für Amateure,

    welche besseren Weg, Golf bekannter und Amateuren eine Plattform zu geben, kann man sich denn allein aus Förderungstechnischer Sicht denn Vorstellen?

    Das würde aus Deutscher Sicht schon ein Event werden, um die Deutschen Teilnehmer auszuspielen.
    Nur auf Profis zu setzen, ist sicher einfach aber bringt das Golf wirklich voran?

    Gebt den Amateuren eine Chance und sie werden es euch danken.

    Dazu halte ich und einige andere auch den momentanen Modus bei den Spielen für nicht richtig. Zu hören hier im Hook & Slice Golf Podcast – http://golfpod.volans.uberspace.de/hook_slice/show/005

    bis denne

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  3. ganz klar Pro Profis…
    Ohne die besten wäre das Turnier direkt tot, Golf würde nicht annähernd die Aufmerksamkeit bekommen und die Weltpresse würde dauernd bemängeln, dass die besten der Welt nicht anwesend sind.
    Auch Adam Scott wird die Meinung noch ändern, spätestens wenn er ins Olympische Dorf einzieht und er das Gefühl hat Teil einer riesigen Mannschaft zu sein. Nur die Profis können es schaffen für ihr Land und ihren Sport die Aufmerksamkeit zu generieren. Nirgends ist man als Superstar näher an anderen Weltklassesportlern und Fans dran als bei Olympia, sofern man das auch möchte. Für eine Beschreibung des Olympischen Spirit sollen die Profis doch mal bei Roger Federer, Dirk Nowitzki, Lionel Messi, Rafa Nadal etc. nachfragen. Von denen möchte niemand das Erlebnis Olympia vermissen.

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