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Für alle offen: 376 öffentliche Golfplätze in Deutschland

17. Jan 2014
Es gibt in Deutschland 376 Golfanlagen in Deutschland, auf denen man ohne Mitgliedschaft golfen kann. (Foto: Getty)
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Öffentliches Golf in Deutschland ist besser als sein Ruf. Vor allem die Image-Problematik versperrt den klaren Blick aufs Angebot.

Was braucht Golf hierzulande, um mehr Menschen zu faszinieren? Ein besseres Image. Weniger Zugangsbeschränkungen und Einstiegshürden. Vor allem mehr Spielmöglichkeiten fernab von Mitgliedschaft, Kleiderordnung, Platzerlaubnis, Handikap, generell jenseits von Ritualen und Kodizes. Gibt‘s! Den zahlreichen, fast schon reflexhaften diesbezüglichen Forderungen zum Trotz.

Deutschland hat 376 öffentliche Golfanlagen, auf denen keine Mitgliedschaft verlangt wird. Sehr viele davon „trotzdem“ schön angelegt und gut gepflegt. 80 Prozent haben sechs oder mehr Bahnen, über 50 Prozent sogar mindestens neun Löcher. 268 sind ohne die viel geschmähte Platzreife bespielbar. Es weiß nur kaum jemand. Offenbar auch nicht, dass allerorten Schnupperkurse oder ähnliches angeboten werden. In der Imagestudie des Deutschen Golf Verbands (DGV) trauen das die Befragten weniger als einem Drittel der deutschen Golfanlagen zu.


„Aktivieren und sichtbar machen“

„Selbst in der Szene sagen viele: Es müssten erstmal öffentliche Anlagen gebaut werden“, berichtet Alexander Klose, DGV-Vorstandsmitglied und Chefstratege, beim Interview mit Golf Post. „Ich bin da bei ihnen, wenn es um ,Stand-Alone‘-Anlagen geht, mitten in der Stadt, nicht an einen Golfclub angeschlossen“, führt Klose aus. „Aber wenn es heißt, der Verband müsste mal acht, neun, zehn öffentliche Anlagen bauen – da müsste man eigentlich sagen: Nein, wir müssen die, die wir haben, aktivieren und sie sichtbar machen.“

Da ist es wieder, das leidige Imageproblem. Es fehlt Golf an gesellschaftlicher Präsenz und Wahrnehmung, das Spiel ist weiterhin ein Außenseiter mit fragwürdiger Reputation im Kanon der akzeptierten Freizeitkultur. Ohne Frage, hier ist der DGV gefordert! Gleichwohl: Es fehlt an allerhand, wenn‘s um das Gedeihen des Golfsports in Deutschland geht, jedoch gewiss nicht an Spielmöglichkeiten. Mit oder ohne Ausweis, Platzreife und Handicap.

Golfclubs können abschreckend wirken

Der Hase liegt ganz woanders im Pfeffer. Beispielsweise bei der von Klose zitierten „Willkommenskultur“ vor Ort, wenn die Spielwiese an einer „großen“ Anlage hängt. Hand aufs Herz: Golfclubs und ihre Mitglieder können je nach Mentalität und Verhalten, neudeutsch „Corporate Behaviour“, auf Interessenten oder Neueinsteiger nicht nur ganz schön einschüchternd, sondern regelrecht abschreckend wirken. Da nützt der attraktivste öffentliche Kurs nichts, wenn die Schwellenängste schon auf dem Parkplatz bedient werden.

Übrigens, in Großbritannien haben 62 Prozent aller Clubs einen „Officer“, der sich ausschließlich um den Nachwuchs und dessen Bedürfnisse kümmert. Während jenseits des Kanals das künftige Mitgliederwachstum gepflegt wird, hört man hierzulande in Clubs und von Betreibern viel zu oft, dass die Kids bloß Geld kosten und Personalkapazitäten binden. Aber das nur am Rande.

Apropos Hase im Pfeffer: Der DGV stellt bei seinen strategischen Überlegungen auch die sogenannte DGV-Platzreife zur Disposition. Der Golf-„Führerschein“ habe sich in einer Breite entwickelt, „die so nie intendiert war“, betont Klose: „Da haben wir vielleicht einen Fehler gemacht, weil wir den Anschein erweckt haben, wir wollten das so auf allen Anlagen.“ Dass es auch anders geht, zeigt nicht zuletzt der Kölner Golf Club.

„Neun Löcher sind eine Option“

Ein große Hürde ist nicht zuletzt das Klischee vom enormen Zeitaufwand. „Das ist die Herkulesaufgabe: Es muss nach außen dringen, dass Golf eben nicht immer über 18 Löcher und fünf Stunden geht“, sagt DGV-Mann Klose. „Die an Golf interessierten Leute müssen wissen, dass neun Löcher eine Option sind und dass sie um zehn Uhr auf dem Platz und um halb Eins wieder zuhause sein können.“ Ein Turnierbetrieb über neun Loch werde zwar von 80 Prozent der Golfclubs angeboten, „aber meistens noch viel zu wenig“.

Es gibt also eine Menge zu tun. Deutschland ist nach wie vor „in Sachen Golf ein Entwicklungsland“, um mit Marcel Siem zu sprechen. Andererseits liegt der Anteil der Golfer an der Gesamtbevölkerung erst bei 0,78 Prozent – da geht doch noch was!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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5 LESER-KOMMENTARE

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  1. Wo findet man denn diese Liste (ich gehe mal davon aus, sie ist jetzt in den vier Monaten fertig geworden)?
    Vielleicht könnte man sie als Update zu diesem Artikel verlinken?

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  2. Markus Meisdrock

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Gibt es denn eine Liste dieser „freien Clubs“?

    Antworten

    • Matthias Gräf

      Wir sind gerade dabei, eine solche Liste zu erarbeiten. Wir hoffen, dass wir dann innerhalb der nächsten Wochen eine Datenbank zur Verfügung stellen können, in denen man nach genau diesen Kriterien die Golfplätze in der jeweiligen Region finden kann. Vielen Dank für die Anregung!

      Antworten

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